Lettlands Verbundwerkstoffbranche soll künftig enger mit der Hochschulforschung und der Ausbildung technischer Fachkräfte zusammenarbeiten. Die Lettische Vereinigung für Verbundwerkstoffe und die Technische Universität Riga, RTU, haben dafür eine Kooperationsvereinbarung geschlossen.
Ziel ist es, die praktischen Anforderungen der Unternehmen stärker in Forschungsprojekte und Studieninhalte einzubringen. Zugleich sollen Studierende und junge Forschende frühzeitig an Aufgaben aus der Industrie arbeiten können. Die Vereinbarung schafft damit einen Rahmen für gemeinsame Innovationsprojekte, Technologietransfer und eine praxisnähere Ausbildung.
Bekannt wurde die Zusammenarbeit in dieser Woche. Ihren Auftakt hatte sie bereits am 30. September mit einem gemeinsamen Besuch in Liepāja. Vertreter der Branchenvereinigung, der RTU und der Universität Lettlands besichtigten den Produktionsstandort Brimer Liepaja sowie die RTU-Akademie in Liepāja und das dortige Maritime College.
Mehr Nähe zwischen Labor und Produktion
Die neue Partnerschaft reagiert auf eine zentrale Aufgabe vieler kleinerer Innovationsökonomien: Forschung, Ausbildung und Unternehmen müssen früher und regelmäßiger miteinander arbeiten, damit technische Ideen schneller in nutzbare Lösungen überführt werden können.
Im Mittelpunkt stehen laut den Beteiligten gemeinsame Forschungs- und Innovationsvorhaben, der Transfer von Technologien und die Einbindung von Studierenden in konkrete industrielle Fragestellungen. Es geht damit nicht nur um allgemeine Kontakte, sondern um eine systematischere Verbindung zwischen den Problemen der Hersteller und den Kompetenzen der Universität.
Eine wichtige Rolle spielt das RTU-Institut für Hochleistungswerkstoffe und Konstruktionen. Dort werden neue Materialien und Bauteile entwickelt, Eigenschaften modelliert und geprüft sowie Technologien für industrielle Anwendungen untersucht. Die Kooperation kann dazu beitragen, Forschungsthemen genauer auf die Bedürfnisse von Unternehmen zuzuschneiden.
Līva Pupure, die Direktorin des Instituts, erklärte, die Zusammenarbeit werde es ermöglichen, Forschung und Studieninhalte enger an den tatsächlichen Anforderungen der Unternehmen auszurichten. Gleichzeitig erhielten Studierende und Nachwuchsforschende die Möglichkeit, bereits während des Studiums an Industrieaufgaben mitzuwirken.
Liepāja als praktischer Ausgangspunkt
Der erste gemeinsame Besuch gab Liepāja eine besondere Bedeutung. Die Stadt verbindet industrielle und maritime Kompetenzen mit regionalen Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Dadurch bietet sie günstige Voraussetzungen, um akademisches Wissen mit Produktionspraxis außerhalb der Hauptstadt zu verknüpfen.
Bei Brimer Liepaja konnten die Teilnehmer Produktionsabläufe und den Einsatz von Verbundwerkstoffen in industriellen Lösungen kennenlernen. Die lettischen Unternehmen der Brimer-Gruppe stellen spezialisierte Produkte her, darunter großformatige Schutzkonstruktionen für maritime und ozeanische Kommunikationsanlagen.
Solche Produkte verlangen Ingenieurwissen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg: von der Konstruktion und der Auswahl geeigneter Materialien bis zur Fertigung und zur fertigen Struktur. Für die Ausbildung bedeutet das, dass Studierende mit realen Anforderungen an Planung, Prüfung und Herstellung vertraut werden können.
Gatis Ginters, Vorstandsmitglied von Brimer Liepaja, betonte, für exportorientierte Unternehmen sei es wichtig, dass junge Fachkräfte und Forschende moderne Produktionsprozesse bereits während des Studiums kennenlernen. Daraus könnten neue industrielle Lösungen entstehen und die technische Leistungsfähigkeit der gesamten lettischen Branche gestärkt werden.
Von der Vereinbarung zu konkreten Projekten
Die Lettische Vereinigung für Verbundwerkstoffe versteht sich als Plattform für Hersteller und Fachleute der Branche. Zu ihren Zielen gehören der Austausch von Wissen, die Entwicklung von Fachkräften, nachhaltige Produktionsweisen und eine stärkere Präsenz lettischer Unternehmen auf europäischen Märkten.
Die jetzt geschlossene Vereinbarung ist zunächst ein institutioneller Schritt. Sie nennt weder eine konkrete Investitionssumme noch ein einzelnes neues Produkt oder ein bereits finanziertes Forschungsprojekt. Ihre Bedeutung liegt darin, dass sie eine Grundlage für eine regelmäßigere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Universität und Forschenden schafft.
Die praktische Umsetzung soll über gemeinsame Projekte, die Beteiligung von Studierenden und Nachwuchsforschenden sowie einen Austausch über den künftigen Kompetenzbedarf der Hersteller erfolgen. Für November ist an der RTU ein Arbeitstreffen geplant. Dabei sollen unter anderem die Einbindung von Verbundwerkstoffthemen in Studienprogramme, die mögliche Entwicklung eines akkreditierten Labors und gemeinsame Projektanträge besprochen werden.
Für Lettlands Innovationswirtschaft ist das ein konstruktiver Schritt. Verbundwerkstoffe werden dort eingesetzt, wo geringes Gewicht, hohe Festigkeit, Langlebigkeit und präzise Gestaltung wichtig sind. Wenn Unternehmen, Labore und technische Ausbildung enger zusammenarbeiten, können lettische Firmen ihr Wissen eher in Produkte mit höherer Wertschöpfung übersetzen. Gleichzeitig erhalten Studierende einen klareren Übergang von der Universität in die industrielle Praxis.





















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