In Danzig nimmt das geplante Bahnprojekt PKM Południe eine konkretere Form an. Auf nationaler Ebene wurde der mehrjährige Finanzierungs- und Umsetzungsrahmen veröffentlicht; auf lokaler Ebene beginnt zugleich die Planung jener Stadtteilbereiche, die rund um die künftigen Stationen entstehen sollen.
Das polnische Infrastrukturministerium veröffentlichte die Einzelheiten des Programms am 20. Oktober 2026. Kern des Vorhabens ist die zweite Ausbaustufe der Pommerschen Metropolbahn. Sie soll die Danziger Innenstadt mit den südlichen Stadtteilen und dem geplanten Umsteigeknoten Kowale verbinden. Das Programm gilt für die Jahre 2026 bis 2029. ([gov.pl](https://www.gov.pl/web/infrastruktura/rozwoj-kolei-metropolitalnej-na-obszarze-aglomeracyjnym-trojmiasta))
Eine neue Bahnverbindung für den Süden
Vorgesehen ist eine rund 7,5 Kilometer lange, zweigleisige und vollständig elektrifizierte Strecke. Geplant sind sechs neue Stationen: Gdańsk Oruńskie Przedmieście, Gdańsk Chełm, Gdańsk Orunia Górna, Gdańsk Maćkowy, Gdańsk Łostowice und Gdańsk Kowale.
Kowale soll dabei die wichtigste Schnittstelle des Projekts werden. Nach Angaben des Ministeriums soll der Knotenpunkt Eisenbahn, städtischen Nahverkehr, Regionalbusse und den Straßenverkehr miteinander verbinden. Von der neuen schnellen Verbindung könnten mehr als 100.000 Menschen in den südlichen Stadtteilen Danzigs sowie in den angrenzenden Gemeinden Kolbudy und Pruszcz Gdański profitieren. ([gov.pl](https://www.gov.pl/web/infrastruktura/rozwoj-kolei-metropolitalnej-na-obszarze-aglomeracyjnym-trojmiasta))
Die Bedeutung des Projekts liegt damit nicht nur in einigen zusätzlichen Kilometern Gleis. In den südlichen Stadtteilen ist die Wohnbebauung in den vergangenen Jahren stark gewachsen, während leistungsfähige öffentliche Verkehrsverbindungen erst nach und nach folgen. Die neue Strecke soll eine verlässlichere Alternative zum Auto schaffen und die Wege in die Innenstadt planbarer machen.
Ein Bahnhof als Teil des Stadtteils
Die jüngste Mitteilung der Stadt ergänzt das Bahnprojekt um eine städtebauliche Perspektive. Danzig lädt Einwohner dazu ein, an Workshops über lokale Zentren rund um die künftigen Stationen Gdańsk Orunia Górna und Gdańsk Kowale teilzunehmen. Die Workshops sind Teil des Masterplans „Gdańsk Nowe Południe“, der von investGDA und der Agentur für regionale Entwicklung Pommern vorbereitet wird.
Die am 20. Oktober veröffentlichte Ausschreibung setzt auf die Methode des Design Thinking. Die Teilnehmer sollen alltägliche Bedürfnisse benennen, Ideen entwickeln und einfache Modelle oder Nutzungsszenarien für die künftigen Zentren ausarbeiten. Die Ergebnisse sollen in die weitere Masterplanung einfließen. Damit ist die Beteiligung als Arbeitsprozess angelegt und nicht nur als einmalige Informationsveranstaltung. ([gdansk.pl](https://www.gdansk.pl/wiadomosci/Jakie-centra-lokalne-wokol-przystankow-PKM-Poludnie-Warsztaty-dla-mieszkancow%2Ca%2C320804))
Für jeden der beiden Orte sind zwei Termine vorgesehen. In Orunia Górna finden die Workshops am 23. und 26. November statt, in Kowale am 30. November und 3. Dezember. Pro Gruppe sind rund 20 Personen unterschiedlichen Alters vorgesehen. Bewerbungen sind bis zum 31. Oktober möglich; wer an beiden Terminen teilnimmt, erhält ein Zertifikat über die Grundlagen des Design Thinking. ([gdansk.pl](https://www.gdansk.pl/wiadomosci/Jakie-centra-lokalne-wokol-przystankow-PKM-Poludnie-Warsztaty-dla-mieszkancow%2Ca%2C320804))
Ein größeres Netz aus Bahn, Tram und Radwegen
PKM Południe ist Teil einer breiteren Verkehrsoffensive in Danzig. Parallel wird eine neue Straßenbahnverbindung zwischen Gdańsk Południe und Wrzeszcz vorbereitet. Das Projekt umfasst 3,6 Kilometer Straßenbahnstrecke, 4,8 Kilometer Radwege und sieben neue Haltestellen. Zusätzlich sollen 2,8 Kilometer Straßen und 17 Kreuzungen umgebaut werden. Die Fertigstellung und Abnahmen sind für Ende 2029 vorgesehen. ([gdansk.pl](https://www.gdansk.pl/gpw/Podpisano-umowe-na-budowe-trasy-Gdansk-Poludnie-Wrzeszcz%2Ca%2C320510))
Beide Vorhaben bedienen unterschiedliche Korridore, verfolgen aber ein ähnliches Prinzip: Verkehrsinfrastruktur soll mit der Entwicklung der Stadt verknüpft werden. Die Tramstrecke soll den Süden mit Wrzeszcz verbinden, während PKM Południe eine schnelle Bahnverbindung Richtung Zentrum und Kowale schaffen soll. Umsteigeanlagen, Radwege und neue öffentliche Räume sind dabei nicht als nachträgliche Ergänzungen gedacht, sondern als Bestandteile eines zusammenhängenden Systems.
Das städtische Pressebüro hatte bereits Anfang Oktober mitgeteilt, dass die Regierung 1,5 Milliarden Złoty aus dem Eisenbahnfonds für PKM Południe vorgesehen hat. Nach dem damals beschriebenen Zeitplan könnten Planung, Genehmigungen und die Auswahl des Bauunternehmens bis Ende 2027 abgeschlossen werden. Baubeginn wäre demnach Anfang 2028, die ersten Züge könnten 2030 fahren. Diese Angaben sind Projektannahmen und keine Garantie für einen fertigen Betrieb; die neue Veröffentlichung des Ministeriums bestätigt jedoch den politischen und programmatischen Rahmen des Vorhabens. ([media.gdansk.pl](https://media.gdansk.pl/komunikaty/878061/pkm-poludnie-coraz-blizej-1-5-mld-zl-rzadowego-wsparcia))
Warum die Planung rund um Stationen zählt
Ob eine neue Bahnlinie im Alltag angenommen wird, hängt nicht allein von Fahrzeiten ab. Sichere Fußwege, gute Radverbindungen, Geschäfte, Dienstleistungen, Sitzmöglichkeiten und Räume für Begegnung entscheiden mit darüber, ob ein Bahnhof nur als Ein- und Ausstiegspunkt dient oder zu einem echten Teil des Stadtteils wird.
Die Workshops in Danzig können solche Fragen früh sichtbar machen. Sie ersetzen weder die formalen Verfahren für die Bahnstrecke noch die späteren Genehmigungen. Sie bieten aber die Möglichkeit, praktische Bedürfnisse in die Planung einzubringen, bevor die endgültige Gestaltung der Umgebung festgelegt ist.
PKM Południe bleibt ein Projekt mit mehreren Jahren Planung und Bau vor sich. Aktuell ist es vor allem ein Beispiel dafür, wie nationale Verkehrspolitik und lokale Stadtentwicklung zusammengeführt werden können: Der Staat definiert den Rahmen für die Bahn, während die Bewohner gefragt werden, was die neuen Orte rund um sie herum lebenswert und funktional machen soll.
Quellen
- Polnisches Infrastrukturministerium: Entwicklung der Metropolbahn im Ballungsraum Dreistadt, 20. Oktober 2026
- Stadtportal Danzig: Workshops für lokale Zentren an künftigen PKM-Południe-Stationen, 20. Oktober 2026
- Stadtportal Danzig: Vertrag für die Straßenbahnstrecke Gdańsk Południe–Wrzeszcz
- Pressebüro der Stadt Danzig: Staatliche Unterstützung für PKM Południe



















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