Eine zweite Chance nach Schulbeginn
Lettlands berufliche Schulen öffnen ihr Aufnahmeverfahren noch einmal für Jugendliche, die ihren Bildungsweg bisher nicht endgültig festgelegt haben. Wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk Latvijas Sabiedriskais Medijs am 19. September berichtete, sind an mehreren technischen Schulen und berufsbildenden Oberschulen noch Plätze frei. Bewerbungen sind grundsätzlich bis zum 30. September möglich.
Die zusätzliche Aufnahme richtet sich vor allem an Schülerinnen und Schüler nach der neunten oder zwölften Klasse. Nach der neunten Klasse können sie in vierjährigen Programmen zugleich einen Berufsabschluss und die mittlere Bildung erwerben. Für Bewerberinnen und Bewerber nach der zwölften Klasse gibt es in bestimmten Fachrichtungen kürzere Programme, die je nach Angebot ein bis eineinhalb Jahre dauern.
Damit bleibt der September in Lettland ein Übergangsmonat, in dem Bildungsentscheidungen noch korrigiert werden können. Die Staatliche Agentur für Bildungsentwicklung, VIAA, weist allerdings darauf hin, dass die Zahl der freien Plätze begrenzt ist und sich laufend ändern kann. Interessierte sollten sich deshalb direkt an die jeweilige Schule wenden. ([lsm.lv](https://www.lsm.lv/raksts/zinas/latvija/19.09.2026-vel-var-pagut-iestaties-kada-no-tehnikumiem.a663883/?utm_source=openai))
Ausbildung mit engem Bezug zur Arbeitswelt
Das Angebot reicht weit über klassische Handwerksberufe hinaus. Genannt werden unter anderem Köchin oder Koch, Küchenhilfe, Elektrotechniker, Schweißer, Ausbau- und Bautechniker, Pflanzenbau, Mechanik für schwere Fahrzeuge, Programmiertechnik, Make-up, Bekleidungs- und Stylingberufe, Straßenbaumaschinen sowie Mechatronik.
In Jēkabpils sind laut Latvijas Sabiedriskais Medijs unter anderem Programmierung, Cybersicherheit und Buchhaltung noch zugänglich. Die technische Schule in Jelgava nennt Vermessungstechnik, Möbelbau sowie Computer- und Programmiertechnik. An der Rigaer Schule für Tourismus und Kreativwirtschaft werden unter anderem kaufmännische Berufe, Restaurantküche und Dienstleistungen im Gastgewerbe angeboten.
Die Lage unterscheidet sich jedoch von Ort zu Ort. Während einige beliebte Fachrichtungen rasch voll waren, konnten andere Schulen nicht genügend Jugendliche für eine vollständige Klasse gewinnen. Die Technische Schule Jēkabpils berichtete, dass in der Außenstelle Barkava Gruppen für Bauwesen und Landschaftstechnik trotz des Bedarfs auf dem Arbeitsmarkt im ersten Jahr nicht starten konnten. Das zeigt eine bekannte Spannung: Die Wirtschaft sucht bestimmte Kompetenzen, doch Jugendliche wählen ihre Ausbildungswege nicht immer am gleichen Ort oder zur gleichen Zeit.
Mehr Lernende, aber weiterhin freie Kapazitäten
Nach Angaben des Bildungsministeriums, die der lettische Rundfunk zitiert, ist die Zahl der Lernenden an technischen Schulen und berufsbildenden Oberschulen seit 2020 um knapp vier Prozent gestiegen. Das Interesse an beruflicher Bildung hat damit langfristig zugenommen. Für das Schuljahr 2026/2027 konnten dennoch nicht alle verfügbaren Plätze besetzt werden.
Die freie Aufnahme hängt auch mit dem typischen Wechsel im September zusammen. Einige Jugendliche merken nach den ersten Unterrichtswochen, dass eine andere Fachrichtung besser zu ihnen passt. Andere wechseln von einer Berufsschule an eine allgemeinbildende Schule – oder entscheiden sich umgekehrt nachträglich für eine praktische Ausbildung.
Schulen versuchen, diesen Wechsel zu erleichtern. Die Rigaer Schule für Tourismus und Kreativwirtschaft erklärt, dass sie ein eigenes Verfahren für die Eingewöhnung später aufgenommener Schülerinnen und Schüler eingerichtet hat. Verpasster Stoff soll schrittweise nachgeholt werden. Auch die Technische Schule Jēkabpils verweist auf zusätzliche Beratung. Damit soll verhindert werden, dass ein später Einstieg automatisch zu einem dauerhaften Nachteil wird.
Stipendien und Wohnheime unterstützen regionale Mobilität
Für Lernende in staatlich finanzierten Ausbildungsgruppen besteht laut VIAA – abhängig von Leistungen und weiteren Kriterien – die Möglichkeit eines Stipendiums von bis zu 150 Euro im Monat. Wer für die Ausbildung aus einer anderen Stadt oder Gemeinde anreist, kann bei Bedarf einen Platz im Wohnheim erhalten.
Die Liste der Schulen zeigt zugleich, dass die zusätzliche Aufnahme nicht auf Riga beschränkt ist. Beteiligt sind unter anderem Einrichtungen in Jēkabpils, Jelgava, Kandava, Daugavpils und Višķi, Liepāja, Ogre, Rēzekne, Smiltene, Ventspils, Priekuļi und Cēsis. Damit werden Bildungswege in verschiedenen Regionen sichtbar – und nicht nur in der Hauptstadt.
Für Bewerberinnen und Bewerber bleibt vor allem der direkte Kontakt wichtig. Manche Schulen nehmen bis zum 30. September auf, andere nur, solange die jeweilige Gruppe noch Plätze hat. Die aktuelle Regelung bietet Jugendlichen, die noch suchen oder ihre Entscheidung korrigieren möchten, eine konkrete Möglichkeit: Sie können noch in diesem Herbst eine anerkannte Qualifikation beginnen, praktische Kenntnisse erwerben und sich damit sowohl für den Arbeitsmarkt als auch für weitere Bildungswege vorbereiten.



















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