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Litauen ist seit langem ein starker Partner von Deutschland. Das baltische Land bietet deutschen Unternehmen wie Continental, Rehau, Schmitz Cargobull, Bär Cargolift beste Voraussetzungen. Was haben diese Unternehmen in Litauen erreicht und warum haben sie sich entschieden, in diesem Land zu investieren?

Schmitz Cargobull ebnete den Weg für andere deutsche Unternehmen

Cargobull Karolis | Foto von Kavolelis / Shutterstock.com

Schmitz Cargobull ist bereits seit 1999 in Litauen präsent. Europas führender Hersteller von Sattelaufliegern, Anhängern und LKW-Aufbauten für temperaturgeführte Güter, Stückgut und Schüttgut übernahm seinerzeit den litauischen Hersteller ähnlicher Produkte AUVIGA und ist seitdem in Litauen tätig. Öffentlichen Angaben zufolge beschäftigt Schmitz heute über 800 Mitarbeiter in seinem Werk in der Freien Wirtschaftszone Panevėžys, wo das Unternehmen unter anderem isolierte Anhänger, Sattelauflieger und Isothermplatten herstellt.

Im Jahr 2018 begann das Unternehmen mit einer Erweiterung im Wert von rund 27 Mio. Euro. Geplant war der Bau von 6.000 qm an Produktionsanlagen. Aufgrund der Pandemie verzögerte sich der Plan, aber man kann dennoch sagen, dass Schmitz einen großen Einfluss auf die deutsch-litauische Zusammenarbeit im Produktions- und Maschinenbausektor hatte.

Continental brachte die bisher größte Greenfield-Investition nach Litauen

Der deutsche Automobilzulieferer Continental beschäftigt in seinem Werk in der litauischen Freihandelszone (FEZ) Kaunas, das im Oktober 2019 eröffnet wurde, über 350 Mitarbeiter. Doch obwohl diese Zahl beeindruckend ist, sind andere Meilensteine, die durch die enge Zusammenarbeit zwischen Litauen und Deutschland erreicht wurden, noch bedeutender. Das Werk von Continental in Kaunas wurde bei den Emerging Europe Awards mit dem zweiten Platz in der Kategorie “Best FDI project” ausgezeichnet. Darüber hinaus gibt es erhebliche Unterstützung von Seiten der Stadtverwaltung. So werden kostenlose öffentliche Verkehrsmittel koordiniert, und es sind Kindergärten und Fahrradwege sowohl für die Mitarbeiter von Continental als auch für die Gemeinde geplant.

Continental hat es geschafft, das 22.000 Quadratmeter große Gelände für Produktion, Verwaltung und Lager in etwas mehr als 15 Monaten zu errichten. Wie erwartet, erfüllt das Werk in Kaunas alle Anforderungen der Industrie 4.0, einschließlich automatisierter Anlagen, Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

In den drei Jahren seines Bestehens hat Continental in Litauen einen so erfolgreichen Start hingelegt, dass das Unternehmen nun plant, bis 2025 500 weitere Mitarbeiter einzustellen und die Produktionsleistung zu verdoppeln. Gleichzeitig wird die Werksfläche um 15.000 qm vergrößert.

REHAU entscheid sich wegen der Fachkräfte für Litauen

Der deutsche Kunststoffriese REHAU baut zusammen mit YIT, einem finnischen Immobilienentwickler mit starker Präsenz in Litauen, und der lokalen Regierung in der Freien Wirtschaftszone Klaipėda eine neue Fabrik.

Bislang plant REHAU, rund 200 Menschen zu beschäftigen. Die Fabrik selbst wird über 20.000 qm groß sein. Nach Angaben von REHAU wird es in der Lage sein, 9.000 Tonnen Fußbodenheizungsrohre und 20.000 Tonnen Kabelkanäle zu produzieren. Diese Produkte wurden bisher in Österreich hergestellt, REHAU entschied sich jedoch für eine Verlagerung nach Litauen. Die Wahl fiel auf das baltische Land, weil es dort talentierte Fachkräfte gibt, die eine professionelle Einstellung und eine hohe Arbeitsmoral haben. Das Management von REHAU war auch von dem rationalen und unternehmensfreundlichen wirtschaftlichen Umfeld in Litauen angetan.

Das Unternehmen plant außerdem, Freiräume für die künftige Entwicklung zu schaffen. Das Werk soll im Jahr 2022 in Betrieb genommen werden. REHAU hebt die Qualität der Arbeit in Litauen, der Kultur und der Bildung hervor. Man kann wohl davon ausgehen, dass weitere Unternehmen aus ähnlichen Gründen nach Litauen ziehen werden.

Das Werk der Zukunft von Bär Cargolift

Das neue Werk von Bär Cargolift, dem zweitgrößten Hersteller von Ladebordwänden in Europa, wurde auf einem 3,5 Hektar großen Gelände errichtet und ist 9.500 qm groß. Es verfügt über eine Energieeffizienzklasse A++ und ist mit einem speziellen Heizsystem ausgestattet, das weniger als 15 kWh Energie pro Jahr und Quadratmeter verbraucht. Bär Cargolift hat sich außerdem verpflichtet, ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu beziehen. Ein großer Teil dieser Energie wird auf dem 185-kW-Solardach des Werks erzeugt.

Gegenwärtig sind in der Anlage rund 40 Mitarbeiter beschäftigt. Diese Zahl soll jedoch schrittweise auf 100 erhöht werden. Die meisten dieser Mitarbeiter sind Fachkräfte für die Metallverarbeitung und Maschinenbediener. Für die Zukunft plant Bär Cargolift die Einrichtung eines IT-Zentrums, in dem technologische und technische Lösungen zur Verbesserung der Ladebordwandsteuerung entwickelt werden sollen.

Einzigartig ist, dass die Räumlichkeiten über viel natürliches Licht und eine Beleuchtung verfügen, die die Belastung der Augen minimiert. Gleichzeitig wird die Lufttemperatur durch modernste Belüftungs- und Zirkulationssysteme aufrechterhalten. Das Werk verfügt über automatisierte Abkant- und Laserschneidverfahren. Außerdem sind fünf Schweißroboterstationen für Komponenten in Betrieb.

Das neue Werk in Šiauliai soll bis Ende 2022 einen Umsatz von 7 Mio. Euro und 2025 möglicherweise 20 Mio. Euro erreichen. Das Unternehmen beabsichtigt, in der Anlage etwa 100 Mitarbeiter zu beschäftigen.

Alles in allem ist das Werk von Bär Cargolift eine sehr willkommene Ergänzung für den litauischen Maschinenbausektor, da es definitiv den Gipfel der Nachhaltigkeit und der Einführung von Industrie 4.0-Standards darstellt.

Litauen wird zu einem immer wichtigeren Partner für deutsche Unternehmen

Deutsche Hersteller entscheiden sich immer häufiger für Litauen als Investitionsstandort, da das Land im Bereich der Hochschulbildung in der EU führend ist. Tatsächlich verfügt Litauen mit über 41.500 Ingenieuren und 31.500 IT-Spezialisten über einen sehr vielfältigen Talentpool. Hinzu kommen mehr als 40.000 Studenten in diesen Disziplinen zusammen.  Darüber hinaus steht Litauen laut Bloomberg weltweit auf Platz 2 bei der “Effizienz des Hochschulwesens”.

Vor dem Hintergrund der neuen industriellen Revolution, die zu einer weiteren Zusammenarbeit zwischen den EU-Mitgliedstaaten einlädt, werden die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Litauen immer intensiver. In diesem Jahr wurde der 30. Jahrestag der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Litauen begangen. Beide Länder haben in dieser Zeit viel erreicht. So sind heute mehr als 90 deutsche Unternehmen in Litauen tätig, die über 70.000 Mitarbeiter beschäftigen. Wir freuen uns auf eine weitere Zusammenarbeit und Wohlstand in der Zukunft.

von Uwe Schmidt

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