Wenn Nachhaltigkeit zur Managementfrage wird
Die Kreislaufwirtschaft soll in Polen stärker aus der abstrakten Nachhaltigkeitsdebatte in die tägliche Unternehmenspraxis gelangen. Ein Workshop in Warschau setzt deshalb auf eine Geschäftssimulation, in der Teilnehmer Entscheidungen über Materialien, Technologien, Produkte und Kooperationen treffen.
Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 30. September 2026, an der Technischen Universität Warschau statt. Organisiert wird sie von der Polnischen Agentur für Unternehmensentwicklung, PARP, gemeinsam mit dem Institut für Innovation und Verantwortungsvolle Entwicklung, INNOWO.
Der Workshop gehört zur „Akademie für zirkuläre Transformation im Business“, einem PARP-Programm, das Unternehmen mit Wissen, Werkzeugen und Praxisbeispielen für den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft unterstützen soll. Die Teilnahme ist kostenlos, eine vorherige Anmeldung ist erforderlich.
Ein Planspiel für reale Unternehmensfragen
Im Mittelpunkt steht kein reiner Vortrag. Die Teilnehmer sollen in Teams die Transformation eines beispielhaften Unternehmens gestalten. Dabei geht es unter anderem um Geschäftsmodelle, Technologieentscheidungen, Ökodesign und neue Formen der Zusammenarbeit.
Das Planspiel soll sichtbar machen, dass unterschiedliche Entscheidungen unterschiedliche Folgen haben. Die Teams untersuchen Material- und Finanzströme, suchen Möglichkeiten zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs und befassen sich mit der Berechnung des CO2-Fußabdrucks eines Unternehmens.
Anschließend entwickeln sie einen eigenen Katalog zirkulärer Maßnahmen. Dabei wird geprüft, wie sich die jeweiligen Entscheidungen auf Emissionen, Materialintensität und mögliche finanzielle Einsparungen auswirken können. Die Kreislaufwirtschaft wird damit nicht nur als Umweltziel, sondern auch als Frage der Effizienz, der Wettbewerbsfähigkeit und der Unternehmensentwicklung behandelt.
Themen des Workshops
- Kreislauftransformation als unternehmerische Entscheidung;
- die Identifizierung geschlossener Materialkreisläufe;
- Grundlagen der Ermittlung des CO2-Fußabdrucks;
- Ökodesign und technologische Optionen;
- Partnerschaften für einen sparsameren Ressourceneinsatz;
- der mögliche Zusammenhang zwischen Materialeinsparungen und geringeren Kosten.
Besonderer Nutzen für kleinere Unternehmen
Das Angebot richtet sich vor allem an Unternehmer, Eigentümer, Führungskräfte sowie Fachleute für Innovation und Geschäftsentwicklung. Besonders angesprochen werden Unternehmen aus der Bioökonomie und der industriellen Verarbeitung, in denen Materialströme und Ressourceneinsatz unmittelbar mit den Betriebskosten verbunden sind.
Für kleine und mittlere Unternehmen kann der Einstieg in die Kreislaufwirtschaft schwierig wirken. Große Nachhaltigkeitsstrategien benötigen häufig spezielle Fachkenntnisse, verlässliche Daten und langfristige Investitionen. Eine Simulation bietet die Möglichkeit, verschiedene Optionen zunächst in einem geschützten Rahmen zu vergleichen.
So können Unternehmen prüfen, ob etwa eine längere Produktlebensdauer, die Wiederverwendung von Komponenten, eine andere Materialauswahl oder eine neue Kooperation zum eigenen Geschäftsmodell passt. Der Workshop verspricht keine Einheitslösung. Sein Ansatz ist diagnostisch: Zuerst sollen die Unternehmen verstehen, wo Materialien, Energie und Geld durch ihre Abläufe fließen.
Teil eines längerfristigen Förderangebots
Die Warschauer Veranstaltung steht im Zusammenhang mit einem umfassenderen Bildungs- und Beratungsangebot. Die PARP-Akademie hat 2026 bereits Veranstaltungen zu Ökodesign, digitalen Werkzeugen, zirkulären Geschäftsmodellen und Unternehmensbesuchen organisiert.
Das Programm richtet sich insbesondere an Unternehmen aus Ostpolen und wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen der Europäischen Fonds für Ostpolen 2021–2027 mitfinanziert. Unterstützt wird die Umsetzung von regionalen und lokalen Institutionen sowie Einrichtungen aus dem Innovations- und Unternehmensumfeld.
Der Schwerpunkt auf praktischem Lernen ist dabei entscheidend. Eine Kreislaufstrategie kann Auswirkungen auf Einkauf, Produktion, Vertrieb, Reparatur und Kundenbeziehungen haben. Unternehmen müssen daher nicht nur eine einzelne Technologie auswählen, sondern mehrere Bereiche miteinander verbinden.
Innovation zwischen Umweltziel und Wirtschaftlichkeit
Der Workshop ist ein konstruktives Beispiel dafür, wie öffentliche Wirtschaftsförderung und Innovationspolitik zusammengeführt werden können. Statt ausschließlich über langfristige Klimaziele zu sprechen, arbeitet das Format mit konkreten Entscheidungen und messbaren Folgen.
Für die teilnehmenden Unternehmen steht zunächst der Kompetenzaufbau im Vordergrund. Langfristig geht es jedoch um mehr: um eine größere Zahl polnischer Firmen, die in der Lage sind, ressourcenschonende Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, Kostenpotenziale zu erkennen und neue Wertschöpfungspartnerschaften aufzubauen.
Ob aus einzelnen Workshop-Entscheidungen später Investitionen entstehen, lässt sich am Veranstaltungstag noch nicht bewerten. Die Struktur des Programms schafft jedoch eine nachvollziehbare Brücke zwischen Wissen und Umsetzung. Genau diese Brücke entscheidet oft darüber, ob die Kreislaufwirtschaft in Unternehmen dauerhaft verankert wird oder bei allgemeinen Absichtserklärungen bleibt.
Quellen
PARP: Programm und Details des Workshops






















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