GÖTEBORG/KOPENHAGEN — 4. September 2026. Eine neue schwedisch-dänische Kooperation widmet sich einem hoch spezialisierten Gebiet der modernen Medizin: therapeutischen Oligonukleotiden. Dabei handelt es sich um kurze, synthetische DNA- oder RNA-Moleküle, die die Genaktivität mit hoher Präzision beeinflussen können.
GU Ventures, die mit der Universität Göteborg verbundene Innovations- und Investmentgesellschaft, und das BioInnovation Institute aus Kopenhagen haben das Projekt OligoSynergy angekündigt. Es soll Forschung, klinische Expertise, industrielle Fähigkeiten und Investorennetzwerke beider Länder enger verbinden. Ziel ist es, Unternehmen in einer frühen Entwicklungsphase auf dem Weg von der Laborarbeit zu validierten Produkten und einer kommerziellen Entwicklung zu unterstützen.
Ein Spezialgebiet braucht ein größeres Netzwerk
Oligonukleotid-Arzneimittel werden bereits für Krankheiten entwickelt, die mit herkömmlichen Ansätzen schwer zu behandeln sind. Ihr Potenzial beruht darauf, biologische Prozesse gezielt und spezifisch zu beeinflussen. Der Weg von einem vielversprechenden Forschungsergebnis zu einer tragfähigen Therapie ist jedoch anspruchsvoll. Er umfasst unter anderem Laborvalidierung, präklinische Forschung, klinische Planung, regulatorisches Wissen, geistiges Eigentum und Zugang zu Kapital.
OligoSynergy richtet sich nach Angaben der Partner an Unternehmen in der präklinischen und frühen klinischen Phase. Das Projekt ist nicht als einzelnes Arzneimittelprogramm angelegt, sondern als Plattform für die Kommerzialisierung. Forschungsteams sollen Zugang zu Fachwissen, Infrastruktur und unternehmerischer Unterstützung erhalten.
GU Ventures führt das Projekt; Eduarde Rohner übernimmt die Projektleitung. Finanziert wird die Kooperation durch Interreg Öresund-Kattegat-Skagerrak und die Region Västra Götaland. Damit wird ein schwedisches regionales Innovationsumfeld mit dem etablierten dänischen Life-Science-Ökosystem verbunden.
Warum Göteborg und Kopenhagen?
Die beiden Metropolregionen bringen unterschiedliche, sich ergänzende Stärken ein. Göteborg und Westschweden verfügen über Universitätsforschung, spezialisierte Gesundheitsversorgung, industrielle Partner und Erfahrung beim Aufbau forschungsbasierter Unternehmen. Kopenhagen und der dänische Life-Science-Cluster bieten pharmazeutische Expertise, Investoren, Inkubatoren und internationale Verbindungen.
Die Logik der Kooperation ist regional und nicht ausschließlich national. Interreg Öresund-Kattegat-Skagerrak unterstützt grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Südschweden, Dänemark und Norwegen, unter anderem in den Bereichen Innovation und Unternehmertum. Das Programm soll Organisationen dabei helfen, trotz unterschiedlicher Finanzierungssysteme und Netzwerke enger über die Grenzen hinweg zu arbeiten.
Für kleinere Länder kann eine solche Zusammenarbeit besonders wichtig sein. Hoch spezialisierte Unternehmen benötigen häufig ein größeres Angebot an Forschenden, klinischen Partnern, Produktionskompetenz und Investoren, als ein einzelner lokaler Standort bereitstellen kann. Früh geknüpfte Verbindungen können außerdem dazu beitragen, dass junge Unternehmen auch in der Wachstumsphase in der Region bleiben.
Von Forschungskompetenz zu wirtschaftlicher Stärke
GU Ventures bringt nach eigenen Angaben Erfahrung in Unternehmensaufbau, Finanzierung, geistigem Eigentum und rechtlicher Begleitung forschungsbasierter Innovationen ein. Das vom Novo Nordisk Fund gegründete BioInnovation Institute arbeitet mit Start-ups aus den Bereichen Life Science und Deep Tech und bietet unter anderem Finanzierung sowie Unterstützung bei der Geschäftsentwicklung.
Eine vollständige Liste der beteiligten Unternehmen und ein detaillierter Zeitplan wurden bislang nicht veröffentlicht. Die Zielgruppe ist jedoch klar umrissen: junge Unternehmen, die an therapeutischen Oligonukleotiden und verwandten Technologien arbeiten. Vorgesehen sind unter anderem Unterstützung bei Entwicklung, Validierung, Geschäftsplanung und beim Zugang zu relevanten Netzwerken.
Damit reagiert das Projekt auf eine grundsätzliche Herausforderung der europäischen Innovationswirtschaft. Starke akademische Forschung führt nicht automatisch zu einem erfolgreichen Unternehmen oder zu einem Produkt, das Patientinnen und Patienten erreicht. Gerade in der Biotechnologie ist die Lücke zwischen wissenschaftlicher Entdeckung und einem finanzierbaren, klinisch belastbaren Geschäftsmodell oft groß.
Ein praktischer Test für nordische Zusammenarbeit
OligoSynergy ist damit ein konkreter Testfall dafür, wie grenzüberschreitende Innovationspolitik auf Unternehmensebene wirken kann. Der Erfolg wird nicht nur von der Qualität der Forschung abhängen, sondern auch davon, ob Gründerinnen, Gründer und Forschungsteams zum richtigen Zeitpunkt die passenden Partner finden.
Für Westschweden und Dänemark schafft das Projekt eine weitere Verbindung zwischen zwei eng benachbarten Life-Science-Gemeinschaften. Für die nordische Wirtschaft zeigt es, wie regionale Kooperation die Kommerzialisierung in einem Bereich stärken kann, in dem Fachwissen stark konzentriert und der internationale Wettbewerb intensiv ist.
Die Partner wollen im weiteren Verlauf zusätzliche Informationen veröffentlichen. Das unmittelbare Ziel ist klar: Mehr forschungsbasierte Innovationen sollen einen realistischen Weg vom Labor über ein investierbares Unternehmen bis hin zu neuen Therapien erhalten.



















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