Ein historischer Bahnbetrieb wird zum öffentlichen Lernort
Das historische Bahnbetriebswerk Schöneweide öffnet an diesem Wochenende seine Tore für das 21. Berliner Eisenbahnfest. Am 26. und 27. September 2026 können Besucherinnen und Besucher dort Eisenbahngeschichte, moderne Technik und die praktischen Berufe hinter dem Bahnbetrieb unmittelbar erleben.
Der Veranstaltungsort im Bezirk Treptow-Köpenick gehört zu den markantesten Orten der Berliner Industriekultur. Zwischen Lokschuppen, Gleisanlagen und Werkstattbereichen wird die Geschichte der Eisenbahn nicht nur ausgestellt, sondern in ihrer ursprünglichen räumlichen Umgebung vermittelt. Das macht den Besuch zu mehr als einer klassischen Fahrzeugschau.
Berlin.de beschreibt das Fest als Möglichkeit, rund 120 Jahre Eisenbahngeschichte nachzuvollziehen. Auf dem Gelände werden historische Fahrzeuge gezeigt, Führerstände geöffnet und frühere Arbeitsabläufe erklärt. Hinzu kommen ein Lokomotivsimulator, Fahrten und Angebote für Kinder.
Historische Fahrzeuge und neue Technik
Nach Angaben von Berlin.de und visitBerlin präsentieren die Dampflokfreunde Berlin mehr als 40 Lokomotiven und Wagen. Dazu gehören Dampflokomotiven der Baureihen 03, 35, 52 und 74. Die Sammlung reicht zugleich bis zu Diesel- und Elektrolokomotiven. Als Brücke zur Gegenwart wird außerdem das ICE TD Advanced Lab gezeigt, das für die Erprobung neuer Technologien genutzt wird.
Diese Verbindung verschiedener Epochen gibt dem Festival eine aktuelle Perspektive. Eisenbahnen werden häufig über Fahrpläne, Baustellen und Infrastrukturprogramme wahrgenommen. In Schöneweide lässt sich dagegen nachvollziehen, welche technischen Systeme und handwerklichen Kenntnisse hinter dem öffentlichen Verkehr stehen.
Besucher können Lokomotivkessel, Motoren und Führerstände aus der Nähe betrachten. Ein Rundgang durch den Lokschuppen zeigt die Arbeitswelt früherer Eisenbahnwerkstätten. In der Werkstatt ist unter anderem die Instandsetzung einer Dampflokomotive zu sehen. Damit wird Restaurierung als laufender Prozess sichtbar: Historische Fahrzeuge bleiben nur dann erhalten, wenn Materialkenntnis, Geduld und spezialisierte Arbeit zusammenkommen.
Technische Berufe werden greifbar
Ein Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von Eisenbahnberufen. Eisenbahnunternehmen und Fachleute geben Einblicke in Ausbildung, Gleisbau, Fahrzeugrestaurierung und Werkstattarbeit. Das ist für eine Branche von Bedeutung, die auf qualifizierte Beschäftigte angewiesen ist und zugleich neue technische Anforderungen bewältigen muss.
Für Familien und jüngere Gäste gibt es eine Feldbahn, Mitmachangebote und die Möglichkeit, den Platz des Lokführers einzunehmen. Wer nicht selbst im Führerstand sitzen möchte, kann historische Fahrten beobachten oder sich im Simulator mit den Aufgaben eines Lokomotivführers vertraut machen.
So verbindet das Fest kulturelle Bildung mit beruflicher Orientierung. Die Eisenbahn erscheint nicht nur als nostalgisches Objekt, sondern als komplexes System, das von Ingenieurwesen, Handwerk, Planung und täglicher Wartung lebt.
Industriekultur als Teil der Stadtentwicklung
Auch der Ort selbst erzählt Berliner Stadtgeschichte. Das Betriebswerk entstand als Teil einer wachsenden Eisenbahninfrastruktur, die Arbeitsplätze, Wohnquartiere und Verkehrswege im Südosten Berlins prägte. Der sanierte Wasserturm von 1906 ist heute ein weithin sichtbares Wahrzeichen des Geländes. Lokschuppen und Gleisfelder machen verständlich, wie Fahrzeuge abgestellt, repariert, versorgt und wieder in den Verkehr gebracht wurden.
Damit zeigt Schöneweide, welchen Wert industrielle Orte für die Stadtentwicklung haben können. Viele ehemalige Bahn- und Gewerbestandorte stehen unter Veränderungsdruck. Ihre vollständige Umnutzung würde zwar neue Flächen schaffen, könnte aber auch wichtige Teile der lokalen Identität verschwinden lassen. Öffentliche Veranstaltungen wie das Eisenbahnfest halten solche Orte zugänglich und geben ihnen eine zeitgemäße Funktion.
Das Festival liegt zudem in direkter Nähe zum S-Bahnhof Johannisthal. Erreichbar ist das Gelände unter anderem mit den Linien S46, S8, S9, S42 und S85. Wegen der sehr begrenzten Parkmöglichkeiten empfehlen die Veranstalter die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Ein Blick zurück mit Blick nach vorn
Das Eisenbahnfest ist rückwärtsgewandt im besten Sinn: Es bewahrt Fahrzeuge, Gebäude und Arbeitswissen. Gleichzeitig verweist es auf aktuelle Fragen des Verkehrs. Eine leistungsfähige Bahn braucht moderne Technik, geeignete Infrastruktur und Menschen, die beides verstehen und weiterentwickeln können.
Indem historische Dampflokomotiven neben neuen Diesel- und Elektrofahrzeugen stehen, wird diese Kontinuität sichtbar. Die Besucher erleben die Eisenbahn als Verkehrsmittel, technischen Arbeitsplatz, Kulturerbe und Bestandteil der Stadtgeschichte.
Das Fest ist am Samstag, 26. September, von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag, 27. September, von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt laut Veranstaltungsangaben 12 Euro für Erwachsene; für Kinder gelten ermäßigte Preise. Veranstaltungsort ist das Bahnbetriebswerk Schöneweide an der Wagner-Régeny-Allee in Berlin-Treptow.




















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