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Zwischen dem 16. und 18. Oktober 2020, fand die hybride Deutsch-Baltische Konferenz in der Hauptstadt Litauens, Vilnius statt. Mit hochkarätigen ReferentInnen wurden entlang von vier Themenclustern Ideenpapiere zum Konferenzmotto „Europe shall hear You“ entwickelt, quasi bottom-up Lösungsansätze auf den Schultern der europäischen Aufklärung erarbeitet.

Grundstock bildeten dabei Konferenzen der DBK digital, die auf Grund der Covid19-Pandemie online durchgeführt wurden. Für beide Konferenzen haben sich 300 Personen zwischen 16 und 95 für die Konferenz angemeldet aus insgesamt 12 Ländern. Junge Menschen aus elf Ländern, davon sieben aus der Europäischen Union, beteiligten sich nun in den Arbeitsgruppen und entwickelten Policy-Papers, die europäischen EntscheidungsträgerInnen zugehen werden. Thomas von Lüpke, Chairman des Deutsch-Baltischen Jugendwerks drückte auch die Solidarität gegenüber der mutigen Menschen in Belarus aus. Gerade deshalb sei ein europäischer Impuls notwendig, welcher die neuen Entwicklungen in der digitalen Sphäre und Öffentlichkeit spiegelt. Die aktuellen Debatten um die digitale Souveränität zeigen in der neuen unsicheren Weltordnung die Relevanz für europäische Initiativen auf. Die Frage von ethischen Standards und Moralität zogen sich wie ein roter Faden durch die Konferenz. Wem gehören Daten, welche Verantwortung haben Plattformen, wie lassen sich digitale Kompetenzen erwerben? Als Schirmherr fungierte Arnoldas Pranckevičius, der die Repräsentanz der Europäischen Kommission in Vilnius leitet.  

Der Philosoph Jörg Noller brachte in seiner Keynote das Phänomen Immanuel Kant nahe, ein Weltbürger, der zeit seines Lebens in Königsberg seine Ideen entwickelte. Besonders eindringlich wurde, dass Kant einen Appell zum Selbstdenken formulierte, dessen Aktualität im Zeitalter von Fake News und Influencern kaum größer sein könnte. Die stetig wachsende Verfügbarkeit beliebiger Datenmengen und die Vermehrung des Wissens durch die computergestützte Auswertung dieser Datenmengen führen zu der falschen Annahme, dass wir unsere Welt immer mehr erschließen. Transparenz könne sich auch gegen das aufgeklärte Publikum richten.

Im Cluster A ging es um neue Möglichkeiten, einen Weg zwischen Individualismus und Kollektivismus zu finden. Gerade jetzt müssten Investitionen in die digitale Infrastruktur getätigt werden. Ein neuer Pakt zwischen den Generationen erweise sich hier als besonders zielführend, wie Jürgen Steiner von der Carl-Zeiss-Stiftung erläuterte. Home Schooling in Zeiten der Covid-19-Pandemie ist zu einem Thema geworden, das alle Segmente der Gesellschaft betreffe.

Cluster B hinterfragte, wie sich aktive Partizipation in der digitalen Gesellschaft sicherstellen lässt. Impulse gaben Anja Türkan und Malte Engelmann: Türkan ist für die Social-Media-Präsenz der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zuständig, Engelmann ist Referent für Kultur- und Außenpolitik im Deutschen Bundestag. Es gab gleich ein Grundverständnis darüber, wie dynamisch das Thema geworden ist. Wir brauchen neue Standards im Bereich der Politischen Bildung auf europäischer Ebene. Schließlich hätten Nationalstaaten mit denselben Herausforderungen zu kämpfen. Ein ethischer Codex ist ebenso notwendig wie ein Update des Vertrags von Lissabon. Die Kopenhagener Kriterien haben einst gezeigt, wie wichtig ein genereller Standard ist, zumal Fake News und Populismus ubiquitär verwandte Schlagworte geworden sind.

Die Fragen der Datensouveränität standen im Mittelpunkt von Cluster C.  Paulius Jurčys von der Universität Vilnius hielt hier das Grundsatzreferat. Im Panel ging es um Fragen rund um Blockchain und künstliche Intelligenz, unter anderem durch die Frankfurter Rechtsanwältin Claudia Otto. Besonders die Frage, wie die privaten Datengiganten Datensouveränität herstellen können, beschäftigte die TeilnehmerInnen. Schließlich basiere die Diskussion um Digitalisierung auf einer Währung: Vertrauen.

Die Frage nach Möglichkeiten und Grenzen der Gentechnik wurde im Cluster D  behandelt. Es wurde deutlich, wie wichtig Fragen des Zugangs sind, wie sich technologischer Fortschritt ethisch untermauern lässt. Europäische Forschungsförderungen müssen hier dringliche Antworten finden.

In allen Panels wurde deutlich, wie wichtig es ist, auf die dringenden Fragen Antworten zu finden. Big Data, künstliche Intelligenz und Blockchain haben ebenso eine gesamtgesellschaftliche wie europäische Dimension. Das ist das kräftige Signal aus Vilnius vom vergangenen Wochenende. 

Wir sind zuversichtlich, dass sich viele neue Vorschläge ergeben werden. Mehr Informationen über das Jugendwerk finden Sie unter www.dbjw.de.

Für weitere Informationen/ For further informations:

Dr. Florian Hartleb

+49 (0) 170 8438217

Deutschbaltische Studienstiftung / German-Baltic Academic Scholarship Foundation

Das Deutsch-Baltische Jugendwerk / German-Baltic Youth Office

Am Berge 35                                                          
21335 Lüneburg

Die Baltische Rundschau | Online-Redaktion
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