Die Litauen lieben ihren Honig – und seine medizinischen Kräfte

Honig wird bei wenigen alkoholischen Getränken genutzt, entweder als Grundzutat oder als Süßungsmittel.

Bis zur Entdeckung des Rohrzuckers war Honig eines der wenigen existierenden Süßungsmittel und wurde deswegen als Luxusgut angesehen. Nur die Reichen und Mächtigen konnten es sich leisten, Honig bei der Produktion von Bier und Wein zu nutzen – und selbst dann sollte es hauptsächlich nur den Geschmack von schwachem Ale ein wenig verbessern.

Met ist das wohl berühmteste Produkt fermentierten Honigs. Der Honig wird zuerst mit Wasser verbunden und manchmal wurde Getreidebrei hinzugefügt. Die finale Flüssigkeit wird dann fermentiert. Die Stärke des Alkohols variiert von acht bis 17 Prozent – Traubenschnaps oder Korn kann diese Prozentzahl noch vergrößern. Regionale Met-Varianten gibt es in vielen Regionen und in der ganzen Welt, so wie Hydromel in Frankreich, Honigwein in Deutschland und Toaka in Madagascar. Met kann auch mit Kräutern und/oder Gewürzen aromatisiert werden, dabei sind die häufigsten Zutaten Lavendel, Thymian, Minze, Zimt, Nelken oder Ingwer.

 

Litauischer Met – das älteste alkoholische Getränk der Welt

Kein alkoholisches Getränk ist älter als der litauische Met – das Rezept findet sich bereits in der altindischen Hymnensammlung vor 6000 Jahren.

Die litauische Firma Lietuviškas Midus (Litauischer Met) hält das Patent für dieses einzigartige Getränk, dessen Wurzeln bis zurück ins alte Indien reichen. Sie produzieren bis zu 200.000 Liter jährlich und benötigen dafür 100 Tonnen Honig. Der geringe Alkoholanteil und seine einzigartige Süße machten ihn zu einem Hit.

Der Met spielt eine wichtige Rolle in der Kultur und Ernährung von vielen Nationen. Es ist keine Überraschung, dass viele Länder Met als ihr nationales Getränk ansehen, da seine Herkunft und die Verteilung ein weltweites Phänomen sind. Es finden sich viele Regionen in Afrika, Europa, Amerika und Asien, welche stolz auf ihren Met als Nationalgetränk sind.

Im Laufe der Jahrhunderte war Met ein Ritual und ein Getränk, das bei verschiedenen Festen verwendet wurde, meist als eine allgemeine Ergänzung zum Essen auf den Tischen von Königen und Bauern. Die westliche Met-Tradition stammt aus der Antike und dem frühen Mittelalter.

Met wird manchmal als der nord- oder osteuropäische Wein bezeichnet. Ohne dieses Getränk kann man sich das Leben und die Religion der alten Deutschen, Balten und Slawen kaum vorstellen.

 

Litauische Vorfahren verwendeten Met bereits vor Tausenden von Jahren (seit 1600 v. Chr.)

Sie tranken den Met aus mit Metall überzogenen Trinkhörnern (die am reichsten verzierten sind aus der Zeit des 4. bis 6. Jahrhunderts).

Der angelsächsische Reisende und Kaufmann Wulfstan von Hedeby (etwa 890-893 n. Chr.) verwies bei der Beschreibung der Aistiers auf die Tatsache, dass sie reichlich Met besitzen.

Um 1326 erwähnte der Chronist Peter von Duisburg, der über den baltischen Stamm schrieb, dass sie Honigwein und Met tranken.

Historische Quellen weisen darauf hin, dass in der Versammlung von Lutsk (1428), die von Vytautas dem Großen, der litauische Großfürst, einberufen wurde – und welche auch von Sigismund, dem Heiligen Römischen Kaiser, besucht wurde – täglich 700 Fässer Met getrunken wurden.

Met wurde von litauischen Herrschern häufig in ihren Herrenhäusern und in späteren Zeiten auch zur Staatsrepräsentation verwendet. Dies geschah beispielsweise im 16. Jahrhundert im königlichen Herrenhaus von Geranainiai in der Nähe von Vilnius, in Krichewo (Weißrussland) und in anderen Orten, wo sich ein königliches Metlager befand.

Einige verbliebene Daten zeigen, dass sich in der Mitte des 16. Jahrhunderts in Vilnius (Antakalnis) und anderen Orten Met-Brauereien mit hoch spezialisierten Brauereien befanden.

Nach historischen Quellen wurde Met im 17. Jahrhundert auch von der berühmtesten litauischen Adelsfamilie Radvila verwendet.

Die Met-Präsenz in der litauischen Stadtkultur kann nach historischen Aussagen in den sogenannten Met-Brudergemeinschaften in Vilnius und anderen Städten gefunden werden, deren Mitglieder zu religiösen Anlässen Met brauten, konsumierten und verkauften. Wahrscheinlich wurde die größte Menge Met von der Bevölkerung in Inns (Karčema) verwendet, deren Netz in der Mitte des 15. – 18. Jahrhunderts fast das gesamte Gebiet Litauens bedeckte.


Die Epoche der litauischen Metentwicklung dauerte bis ins 18. Jahrhundert

In dieser Zeit, mit der Entwicklung der Landwirtschaft, nimmt der Gebrauch von Getreide für die Produktion von Bier und Wodka zu. Viele Bierbrauereien und Wodka-Destillerien schießen aus dem Boden und die Bauern sind gezwungen, Wodka von den Gutshöfen zu kaufen. Mit dem Verschwinden der Baumhöhlenimkerei nimmt die Produktion und der Konsum von Met zusätzlich ab.

 Im 20. Jahrhundert steigt das Interesse an der litauischen Metproduktion allerdings wieder an.

Die erste Firma, die mit der Produktion von Met begann, war die Brauerei Bieri Šakovas Prienai. Dort wurden vier Arten von Met produziert. Man ließ ihn fünf Jahre reifen und eine Flasche mit einem dreiviertel Liter kostete acht Litas.

Dieser Met wurde ins Ausland exportiert, meist nach Palästina und es wird erzählt, dass Präsident Antanas Smetona großen Gefallen daran fand. Nachdem diese Brauerei 1940 verstaatlicht wurde, wurde die Produktion von Met allerdings eingestellt und im Jahr 1944 wurde die Brauerei zerbombt.

 

Geschichte des litauischen Mets ist eng mit dem Leben von Aleksandras Sinkevičius verbunden

Die weitere Geschichte des litauischen Mets ist eng mit dem Leben von Aleksandras Sinkevičius verbunden. Im Jahre 1957 erhielt Aleksandras Sinkevičius, ein Technologe in der Klaipėda Švyturys Brauerei, die Genehmigung des damaligen Vorstandes der Lebensmittelindustrie, litauischen Met zu produzieren.

Doch erst nach einem langen Hin und Her und dem Wechsel mehrerer Fabriken wurden am 8. September 1958 in der alten Siedeofen-Abteilung der Lietkoopsąjunga Stakliškės Gintaras Brauerei die ersten 700 Liter Maische für den litauischen Met Dainava hergestellt.

Im Juli 1960 gingen die ersten 1200 Flaschen des sehr milden, rassigen und bernsteinfarbenen Mets mit 10% Alkoholanteil über die Ladentheken. Seit dem erfolgreichen Beginn dieses Mets wurden mehrere andere Met-Sorten kreiert und man begann, stärkere alkoholische Getränke auf der Basis von Met herzustellen.

Aleksandras Sinkevičius, der Begründer des Nationalgetränks, behauptete, dass die Herstellung von Honiggetränken einen edlen Grund habe: Man wolle Getränke herstellen, die unseren festlichen Tisch schmücken würden, litauische Gastfreundschaft zum Ausdruck bringen und dabei niemandem schaden würden.

Am 25. März 1969 registrierte das damalige Erfindungskomitee der Sowjetunion die Produktionstechnik eines Honigdrinks Lietuviškas midus (litauischer Met) als Erfindung.

 

 In Litauen ist Met nationales Kulturgut

Historische Aufzeichnungen belegen, dass Queen Elizabeth II am 30. September 1969 der Stakliskes-Fabrik Lietuviskas Midus die Patentnummer 1280830 zuerkannte – das machte sie zum alleinigen Produzenten dieses Getränks.

Von dem alten litauischen Met, der vor mehreren hundert Jahren hergestellt wurde, ist keine Rezeptur erhalten geblieben, aber man nimmt an, dass zu dieser Zeit Wasser und Honig erhitzt und diese Mixtur mit Gewürzen (Thymian, Ingwer, Zitrone, Zimt, Kirschen, Walderdbeeren, Brombeeren, Limetten,  Knospen, Wacholderbeeren und manchmal Hopfen) versetzt wurde, bevor die Lösung filtriert und mit Bier oder Weinhefe fermentiert wurde. Die Basis für die Herstellung dieses Getränks ist natürlicher Bienenhonig.

Am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Honig wegen einer schweren Krise in der Bienenzucht fast nicht mehr hergestellt.

Im 20. Jahrhundert stieg das Interesse für die litauische Metproduktion plötzlich wieder rasant an.

Dieses Getränk mit zugesetzten Vitaminen wird nun aus Honig, Hopfen, Lindenblüten, Wacholderbeeren und anderen Vitamin-C-haltigen Zusätzen hergestellt, die mindestens 18 Monate lang gereift sind.

2002 wurde Stakliskes Met in Litauen zum kulinarischen Kulturgut erklärt.

Von Ingwar Heinrich Lotz | Übersetzung:  Debora Schießl