Fünf Projekte mit breiter wissenschaftlicher Spannweite
Fünf Forschende der Universität Lund erhalten zusammen 149 Millionen schwedische Kronen von der Knut-und-Alice-Wallenberg-Stiftung. Die Förderentscheidungen wurden am 13. Oktober 2026 bekanntgegeben und ermöglichen fünfjährige Projekte in Materialwissenschaft, Medizin, physikalischer Chemie und Astrophysik.
Die Lund-Förderungen sind Teil eines landesweiten Pakets von insgesamt 900 Millionen Kronen für 30 Forschungsprojekte. Nach Angaben der Stiftung wurden die Vorhaben von internationalen Fachleuten bewertet und als innovativ sowie wissenschaftlich führend eingestuft. Im Mittelpunkt steht Grundlagenforschung – also Forschung, die nicht zwingend sofort ein Produkt oder eine Therapie hervorbringt, aber die Wissensbasis für spätere Anwendungen schaffen kann.
Neue magnetische Materialien für kompakte Technik
Die größte Lund-Förderung beträgt 36 Millionen Kronen und geht an den Biochemiker Vasili Hauryliuk. Sein Projekt untersucht, wie sich Bakterien gegen Bakteriophagen schützen – Viren, die Bakterien befallen. Das Team will die Abwehrsysteme an der Bakterienmembran genauer verstehen.
Langfristig könnte diese Forschung zur Entwicklung der Phagentherapie beitragen. Dabei werden Viren eingesetzt, um krankmachende Bakterien gezielt anzugreifen. Die Methode wird unter anderem als möglicher zusätzlicher Ansatz im Umgang mit Antibiotikaresistenzen erforscht. Die Förderung selbst ist jedoch keine Zusage für eine unmittelbar verfügbare Behandlung.
Die Materialwissenschaftlerin Kimberly Dick Thelander erhält 34 Millionen Kronen für Arbeiten zum Altermagnetismus. Diese relativ neue Form magnetischer Eigenschaften kann – vereinfacht gesagt – unterschiedliche Elektronenspins ermöglichen, ohne ein starkes äußeres Magnetfeld zu erzeugen. Dadurch könnten sich künftig neue Möglichkeiten für besonders kompakte Speicher, Sensoren oder Quantentechnologien ergeben.
Die Forschenden werden nanoskalige Strukturen mit präzise kontrollierter Kristallanordnung herstellen. Anschließend untersuchen sie, wie sich deren Eigenschaften unter elektromagnetischen Feldern und mechanischer Belastung verändern. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Röntgenanalyse an der Forschungsinfrastruktur MAX IV in Lund.
Entzündungen und Protein-Lipid-Strukturen
Der Mediziner Johan Malmström erhält 30 Millionen Kronen für den Aufbau eines Atlas des sogenannten Proteom-Protease-Peptidoms. Sein Team will Proteine, proteinspaltende Enzyme und kleine Peptidfragmente erfassen, die während verschiedener Entzündungsphasen entstehen – von normaler Wundheilung bis zu schweren Entzündungsreaktionen.
Die Forschenden suchen dabei nach biologischen Markern, die eines Tages helfen könnten, früh zwischen einer regulär abklingenden und einer problematischen Entzündung zu unterscheiden. Außerdem sollen natürlich vorkommende Peptide untersucht werden, die als Ausgangspunkt für spätere Wirkstoffe dienen könnten.
Die physikalische Chemikerin Emma Sparr erhält 25 Millionen Kronen für das Projekt TIPPOINT. Es befasst sich damit, wie Proteine und Lipide je nach Umgebung unterschiedliche Strukturen bilden. Im Zentrum steht Alpha-Synuklein, ein Protein, das an der Kommunikation zwischen Nervenzellen beteiligt ist, sich aber auch zu Ablagerungen verbinden kann, die mit Parkinson in Verbindung gebracht werden.
In kontrollierten Modellsystemen wollen die Forschenden die Bedingungen bestimmen, unter denen funktionale Strukturen stabil bleiben oder sich krankheitsrelevante Aggregate bilden. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel mehrerer Prozesse, die bisher häufig getrennt untersucht wurden.
Ein Blick auf die ersten Galaxien
Der Astrophysiker Oscar Agertz erhält 24 Millionen Kronen für das Projekt „Zooming into Cosmic Dawn“. Gemeinsam mit Angela Adamo von der Universität Stockholm will sein Team Computersimulationen mit Beobachtungen des James-Webb-Weltraumteleskops verbinden.
Untersucht werden die ersten Galaxien und ihre Entwicklung im ersten Milliardenjahr nach dem Urknall. Das Projekt fragt unter anderem, warum frühe Galaxien in dichte Sternhaufen zerfielen, wie solche Haufen das Wachstum von Galaxien beeinflussten und wie Simulationen mit Beobachtungsdaten für künftige Teleskope abgeglichen werden können. Dazu gehört auch das Extremely Large Telescope, das voraussichtlich um 2030 erste Bilder liefern soll.
Stabile Bedingungen für anspruchsvolle Forschung
Die fünf Lund-Projekte zeigen, wie unterschiedlich moderne Universitätsforschung arbeitet: mit Experimenten an Bakterien und Proteinen, mit Nanostrukturen, mit medizinischen Atlasprojekten und mit Simulationen der kosmischen Frühgeschichte.
Gemeinsam ist ihnen der lange Zeithorizont. Die Teams benötigen spezialisierte Infrastruktur, internationale Kooperationen und Zeit, um Methoden zu entwickeln und Ergebnisse zu überprüfen. Die neuen Förderungen schaffen dafür verlässlichere Bedingungen – ohne wissenschaftliche Ergebnisse vorwegzunehmen.
Für die Universität Lund bedeutet die Entscheidung zugleich eine Stärkung ihrer Forschungslandschaft. Die fünf Gruppen können Personal aufbauen, neue Kooperationen vertiefen und Fragen verfolgen, die mit kurzfristigen Projektmitteln nur schwer zu bearbeiten wären.



















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