Das Ģertrūdes ielas teātris in Riga bringt am Mittwoch, dem 14. Oktober 2026, eine neue zeitgenössische Bewegungsperformance auf die Bühne. BOY–OY wurde von Vladimirs Goršantovs entwickelt, choreografiert und wird von ihm selbst aufgeführt. Die Premiere findet im unabhängigen Theater in der Ģertrūdes iela statt.
Mit der Produktion erweitert das Theater sein Herbstprogramm um eine kompakte Arbeit, die persönliche Erinnerung nicht als klassische Biografie, sondern als körperliches und szenisches Material behandelt. Nach Angaben des Theaters dauert die Performance 50 Minuten. Weitere Vorstellungen sind für den 15. Oktober sowie den 3. und 4. November angekündigt. Auch das lettische Kulturministerium führt die Premiere in seinem offiziellen Veranstaltungskalender.
Erinnerung als körperliche Sprache
Die englische Produktionsbeschreibung bezeichnet BOY–OY als autobiografische Performance über das Aufwachsen, Familiengeschichten und Erinnerungen, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. Damit richtet sich der Blick nicht nur auf einzelne Erlebnisse, sondern auf die Frage, wie persönliche Geschichte durch Erzählung, Wiederholung und körperliche Präsenz weiterlebt.
Die Produktion gehört damit in den Übergangsbereich zwischen zeitgenössischem Tanz, Bewegungstheater und performativer Erzählung. Gesten, Rhythmus, Raum und Körper tragen ebenso zur Bedeutung bei wie gesprochener Text. Das Publikum erlebt keine groß angelegte Handlung mit vielen Figuren, sondern eine konzentrierte Bühnenarbeit, die aus der Perspektive eines einzelnen Performers entsteht.
Der Ansatz passt zu einem autobiografischen Format: Vergangenes wird nicht lediglich berichtet, sondern auf der Bühne untersucht. Der Körper kann dabei zum Archiv werden, in dem familiäre Muster, Erinnerungsbilder und persönliche Erfahrungen sichtbar oder spürbar werden.
Ein interdisziplinäres Team
Obwohl Goršantovs im Zentrum der Arbeit steht, ist BOY–OY als gemeinsames Projekt mehrerer Kunstsparten angelegt. Andrejs Jarovojs übernimmt die Dramaturgie. Marianna Lapiņa zeichnet für Kostüm und Bühnenbild verantwortlich, während Ernests Valts Circenis die Musik komponiert. Das Licht gestaltet Reinis Zalte, für das Make-up ist Dārta Ašmane genannt.
Die visuelle Identität der Produktion stammt von Lapiņa und Kaspars Zborovskis. Zusammengenommen bilden diese Beiträge ein Umfeld, in dem Bewegung nicht isoliert bleibt. Kostüm, Licht, Klang und Raum bestimmen mit, wie der Körper auf der Bühne wahrgenommen wird und wie sich eine persönliche Geschichte in eine theatralische Form übersetzt.
Produziert wird die Performance vom Ģertrūdes ielas teātris. Unterstützt wird sie von der zeitgenössischen Tanzvereinigung SIXTH und der Tanzorganisation TUVUMI. Laut Theaterangaben erhielt die Produktion außerdem eine finanzielle Förderung vom lettischen Staatlichen Kulturkapitalfonds und von der Stadtverwaltung Riga.
Kleine Formate, konzentrierte Perspektiven
Die Länge von 50 Minuten gibt BOY–OY eine bewusst konzentrierte Form. Anders als bei einer großen Ensembleproduktion liegt die Aufmerksamkeit fast vollständig auf der Beziehung zwischen Performer, Bewegung und Raum. Für das Publikum kann daraus eine unmittelbare Theatererfahrung entstehen, bei der die Übergänge zwischen persönlicher Erinnerung und künstlerischer Gestaltung offenbleiben.
Gerade unabhängige Bühnen bieten Raum für solche Formate. Sie können eine einzelne künstlerische Idee über einen überschaubaren Zeitraum entwickeln und dabei körperliche, musikalische und visuelle Mittel eng miteinander verbinden. Bei BOY–OY wird die persönliche Geschichte des Performers zum Ausgangspunkt für eine breitere Auseinandersetzung mit Herkunft, Familie und Weitergabe.
Der Titel wird in den offiziellen Ankündigungen ohne erklärenden Untertitel verwendet. Seine genaue Bedeutung soll offenbar aus der Begegnung mit der Performance hervorgehen. Dadurch bleibt die Arbeit offen für unterschiedliche Lesarten, bevor die Bewegung und die szenische Struktur den Inhalt konkretisieren.
Premiere in Riga
Die Premiere beginnt am 14. Oktober um 19 Uhr im Ģertrūdes ielas teātris, Ģertrūdes iela 101a, Riga. Die nächste angekündigte Vorstellung folgt am 15. Oktober; weitere Termine sind am 3. und 4. November vorgesehen. Im Online-Ticketangebot werden ein regulärer Preis von 20 Euro, ein ermäßigter Preis von 15 Euro sowie ein Unterstützerticket für 40 Euro genannt.
Mit BOY–OY erhält das Rigenser Publikum eine neue, klar fokussierte Arbeit der zeitgenössischen Performancekunst. Das Projekt verbindet persönliche Erinnerung mit choreografischer Recherche und zeigt, wie aus Familiengeschichten durch Körper, Klang, Licht und Raum eine eigenständige Bühnenform entstehen kann.



















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