Riga wird zum Treffpunkt für zirkuläre Textilien im Nordostseeraum
Das Nordic-Baltic Textile Circularity Forum in Riga befasst sich mit Wiederverwendung, Reparatur und Recycling von Textilien.
LettlandUmwelt und Kreislaufwirtschaft

Riga wird zum Treffpunkt für zirkuläre Textilien im Nordostseeraum

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Riga steht in diesen Tagen im Mittelpunkt einer regionalen Diskussion über die Zukunft von Kleidung, Arbeitskleidung und anderen Textilprodukten nach ihrer ersten Nutzungsphase. Beim Nordic-Baltic Textile Circularity Forum am 7. und 8. Oktober beraten Forschende, Unternehmen, Behörden, Nichtregierungsorganisationen und Praktiker darüber, wie Textilabfälle durch längere Produktlebenszyklen, bessere Sammlung und neue Recyclingmodelle verringert werden können.

Der Veranstaltungsort ist H2O 6 in Riga. Die Teilnahme ist nach vorheriger Anmeldung kostenlos. Organisiert wird das Forum gemeinsam vom Horizon-Europe-Projekt tExtended und der Initiative Nordic-Baltic Textile Circularity, die von den Büros des Nordischen Ministerrats in Lettland, Estland und Litauen unterstützt wird.

Vom Forschungsprojekt zur regionalen Umsetzung

Das Forum markiert den Abschluss einer wichtigen Arbeitsphase von tExtended. Das vierjährige, von der Europäischen Union geförderte Projekt untersucht, wie Rückgewinnung, Wiederverwendung, Aufbereitung, Recycling und digitale Werkzeuge in einem stärker kreislauforientierten Textilsystem zusammenwirken können.

Das zentrale Ziel des Projekts ist ambitioniert: Es soll gezeigt werden, unter welchen Bedingungen sich das Textilabfallaufkommen in Europa langfristig um bis zu 80 Prozent verringern ließe. Die veröffentlichten Projektergebnisse machen zugleich deutlich, dass dies nicht mit einer einzelnen technischen Lösung erreichbar wäre. Nötig wären Veränderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Zu den untersuchten Ansätzen gehören ein maßvollerer Verbrauch, langlebigere Produkte, bessere Sammelquoten, größere Kapazitäten für Wiederverwendung und Recycling sowie geringere Materialverluste beim Sortieren. Das Projekt befasst sich außerdem damit, wie gebrauchte Textilien unterschiedlichen Wegen zugeführt werden können – etwa der Reparatur, der Umarbeitung, der Wiederverwendung oder dem Recycling.

Die Europäische Kommission beschreibt tExtended als ein Projekt, das Textilkreisläufe durch Rückgewinnung, Aufwertung, Recycling und datengestützte Lösungen stärken soll. Hintergrund ist, dass bislang nur ein sehr kleiner Teil der Textilabfälle wieder als textiler Rohstoff eingesetzt wird. Gleichzeitig sind Sammlung, Sortierung und Kennzeichnung in Europa noch nicht einheitlich genug.

Praktische Lösungen statt abstrakter Zielmarken

Der erste Forumstag widmet sich den Ergebnissen von tExtended. Forschende und Vertreter aus der Wirtschaft stellen Versuche mit neuen Sammel- und Sortierverfahren vor. Weitere Themen sind die Umarbeitung von Produkten, das mechanische Recycling von Arbeitskleidung und der Einsatz recycelter Post-Consumer-Materialien in neuen Heimtextilien.

Auf dem Programm stehen zudem Demonstrationen digitaler Werkzeuge, eine Ausstellung und Beiträge zu sozialen Innovationsprojekten. Gerade dieser Mix ist für die Kreislaufwirtschaft entscheidend. Bevor ein Kleidungsstück repariert, weiterverwendet oder recycelt werden kann, müssen Informationen über seine Materialzusammensetzung, seine Nutzung und seine möglichen nächsten Wege verfügbar sein.

Die Veranstalter wollen in Riga konkrete Beispiele sichtbar machen: Textilreste sollen nicht als einheitlicher Abfallstrom behandelt werden, sondern je nach Qualität und Zusammensetzung unterschiedliche Verwendungswege erhalten. Das Forum verbindet damit europäische Forschung mit den regionalen Anforderungen des nordischen und baltischen Marktes.

Eine gemeinsame Aufgabe für kleine und mittlere Märkte

Am zweiten Tag richtet sich der Blick stärker auf die nordisch-baltische Zusammenarbeit. Diskutiert werden der Stand der Textilkreisläufe in der Region, die Übertragbarkeit erfolgreicher Modelle und die Rolle der erweiterten Herstellerverantwortung. Gemeint sind Systeme, in denen Hersteller und Marken stärker für Sammlung, Behandlung und Verwertung ihrer Produkte nach der Nutzung Verantwortung übernehmen.

Latvija ist im Programm durch Vertreter der Stadt Riga, Fachleute für Kreislaufwirtschaft, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus den Bereichen Textildienstleistungen, Sammlung und Abfallwirtschaft vertreten. Eine politische Diskussionsrunde befasst sich mit den Auswirkungen künftiger Herstellerverantwortung auf Marken, Sammler, Wiederverwendungsorganisationen und Entsorgungsunternehmen.

Anschließend präsentieren Unternehmen Ansätze für automatisierte Sammlung und Sortierung, Reparatur, digitale Produktpässe, kommerzielle Wiederverwendungsplattformen und das Recycling von Fasern zu neuen Textilrohstoffen. Damit wird die Debatte von der Grundsatzebene in Richtung Umsetzung verschoben.

Für die nordischen und baltischen Länder ist dieser Austausch besonders nützlich. Die Märkte sind vielfach überschaubar, Lieferketten verlaufen grenzüberschreitend, und neue Infrastruktur muss mit unterschiedlichen Textilarten und Mengen umgehen können. Gemeinsame Standards, Daten und Erfahrungen können daher helfen, einzelne Pilotprojekte zu verbinden.

Umweltpolitik trifft auf Innovation und Wirtschaft

Das Forum behandelt Textilkreisläufe nicht nur als Abfallthema. Langlebigere Produkte, bessere Sortierung und neue Einsatzmöglichkeiten für gebrauchte Fasern können auch Materialverluste senken und neue Geschäftsfelder schaffen. Dazu gehören Reparatur, Aufarbeitung, spezialisierte Recyclingverfahren und Dienstleistungen, die Produkte länger im Umlauf halten.

Eine sofortige Veränderung des gesamten Marktes ist von einem zweitägigen Treffen nicht zu erwarten. Der Wert der Veranstaltung liegt vielmehr darin, verschiedene Bausteine zusammenzuführen: bessere Daten, funktionierende Sammelsysteme, langlebige Produkte, Kooperation zwischen Forschung und Wirtschaft sowie Regeln, die Wiederverwendung und Recycling wirtschaftlich erleichtern.

Mit dem Nordic-Baltic Textile Circularity Forum übernimmt Riga eine konstruktive Rolle in einer regionalen Umwelt- und Innovationsdebatte. Im Mittelpunkt steht nicht die problemorientierte Schlagzeile, sondern die praktische Frage, wie weniger Textilabfall in neue Produkte, Materialien und wirtschaftliche Chancen verwandelt werden kann.

Quellen

Die Baltische Rundschau | Online-Redaktion
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