In Riga steht die siebzehnte Ausgabe des Festivals Survival Kit vor der Eröffnung. Das internationale Festival für zeitgenössische Kunst widmet sich 2026 den Themen Fürsorge, Heilung und gemeinschaftlicher Wissensvermittlung. Die Ausstellung ist vom 28. August bis zum 27. September im Rigaer Kongresshaus zu sehen; ein Vorprogramm beginnt bereits am 27. August.
Damit setzt Survival Kit einen sozialen Akzent im Spätsommerprogramm der lettischen Hauptstadt. Das Festival beschränkt sich nicht auf eine Ausstellung, sondern verbindet Kunstwerke mit Performances, Gesprächen, moderierten Spaziergängen und Führungen. Das Leitmotiv lautet „Care“, der vollständige Titel „Windpfeil: Über Kunst und Heilung“.
Kunst als gemeinsamer Erfahrungsraum
Kuratiert wird die Ausgabe von Elena Sorokina und Simona Markela Dvorák in Zusammenarbeit mit der Initiative for Practices and Visions of Radical Care. Nach Angaben der Kulturabteilung der Stadt Riga untersucht das Festival die Berührungspunkte zwischen künstlerischer Arbeit und Heilungspraktiken.
Schon die Eröffnung ist als gemeinsames Erlebnis angelegt. Am 27. August werden im Rigaer Kongresshaus drei Performances präsentiert. Das Programm entsteht in Zusammenarbeit mit dem Centre Pompidou in Paris und umfasst Arbeiten der Musikerin und Komponistin Naima Nefertari, des Choreografen Zora Snake sowie der Künstlerin Maya Minder.
Die Beiträge verbinden Performance mit Ritual, sinnlicher Wahrnehmung, Essen, Fermentation und der Weitergabe von Wissen. Das Publikum soll dabei nicht nur beobachten, sondern unterschiedliche Formen der Teilnahme und Aufmerksamkeit erleben.
Ab 21 Uhr wird das Eröffnungsprogramm im Kaņepes Culture Centre mit einem „Healing Nightclub“ fortgesetzt. Klang, Musik und Tanz werden dort zu einem interdisziplinären Abend verbunden. Die Veranstaltung ist als nächtliches Experiment gedacht, bei dem gemeinschaftliche Präsenz und körperliche Wahrnehmung eine ebenso wichtige Rolle spielen wie die Musik.
Bewegung, Wasser und Zugehörigkeit
Auch nach dem Eröffnungswochenende bleibt das Programm stark auf Begegnung ausgerichtet. Am 28. August lädt die Künstlerin Zaiga Putrāma zu einer heilenden Bewegungspraxis ein, die sich an Prinzipien der Tango-Kommunikation orientiert. Im Mittelpunkt stehen Interaktion, Zuhören und nonverbale Verständigung.
Am 5. September beteiligt sich Survival Kit an der Rigaer „White Night“. Die Künstlerin T.I.E. zeigt die Performance „Veins of Daugava / Uterine Waters“. Wasser wird darin als Raum der Erinnerung, der Veränderung und des Fortbestehens behandelt. Die Daugava erscheint als symbolische und klangliche Achse, an der baltische Vorstellungen und Erfahrungen der Diaspora zusammentreffen.
Das Projekt „Appendix – A Cut into the Side Layers“ widmet sich anschließend den Fragen des Zusammenlebens, der Zugehörigkeit und der Inklusion in Lettland. Geplant sind eine Bewegungsperformance lettischer Künstlerinnen und in Lettland lebender Frauen aus Drittstaaten sowie eine öffentliche Diskussion unter der Leitung der Künstlerin Viktoria Fomenko.
Weitere Veranstaltungen folgen im September. Am 12. September leitet die Schriftstellerin Agnese Krivade den Praxis-Spaziergang „A Walk in an Ugly Landscape“, der von der Publikation „Entangled Landscapes: Navigation“ inspiriert ist. Am 17. September geht eine Diskussion der Frage nach, ob Kunsterziehung als Form der Fürsorge verstanden werden kann. Moderiert wird sie von der Literaturwissenschaftlerin und Medientheoretikerin Ilva Skulte; Themen sind unter anderem Wert, Nachhaltigkeit und institutioneller Wandel.
Vermittlung als Teil des Festivals
Eine wichtige Rolle spielen die Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittler. An Donnerstag- und Freitagabenden stehen speziell geschulte Mediatoren in der Ausstellung bereit, um Gespräche zwischen Besucherinnen, Besuchern und den Kunstwerken anzuregen. Unterstützt wird dieses Angebot von der VV Foundation.
Darüber hinaus können individuelle und Gruppenführungen mit Vermittlung gebucht werden. Auch Schulklassen sind eingeladen. Der Ansatz soll zeitgenössische Kunst zugänglicher machen und Menschen ansprechen, die Museen und Ausstellungen dieser Art bisher nur selten besuchen.
Das Survival Kit wird seit 2009 vom Lettischen Zentrum für zeitgenössische Kunst organisiert. Zum Profil des Festivals gehört die Nutzung leerstehender oder wenig genutzter Gebäude. Der Ausstellungsort wird dadurch selbst zu einem Teil der Auseinandersetzung mit Stadt, Öffentlichkeit und Zugang zu Kultur.
Besuchsinformationen
Die Ausstellung im Rigaer Kongresshaus ist vom 28. August bis zum 27. September geöffnet. Dienstag bis Samstag kann sie von 12 bis 20 Uhr besucht werden, sonntags von 12 bis 18 Uhr; montags bleibt sie geschlossen.
Der reguläre Eintritt kostet 8 Euro. Studierende und Seniorinnen und Senioren zahlen 5 Euro. Für Vorschulkinder, Schülerinnen und Schüler, Studierende von Kunsthochschulen, Menschen mit Behinderung und ihre Begleitpersonen ist der Eintritt frei. Familien mit einer 3+-Familienkarte erhalten ebenfalls ein Ticket für 5 Euro.
Mit der Verbindung von Ausstellung, Performance, Gespräch und Vermittlung versteht sich Survival Kit 17 als öffentlicher Raum für unterschiedliche Formen des Austauschs. Das Festival präsentiert Fürsorge nicht als fertige Antwort, sondern als Praxis: als Aufmerksamkeit, als gemeinsames Lernen und als Möglichkeit, kulturelle Räume in Riga offen und zugänglich zu gestalten.






















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