Die deutsche Tourismusbranche trifft sich am Mittwoch, 23. September 2026, in Frankfurt am Main zum fünften Sustainable Tourism Day. Veranstalterin ist die Deutsche Zentrale für Tourismus, kurz DZT. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Nachhaltigkeit im Reisegeschäft konkreter, verständlicher und im Alltag von Destinationen und Unternehmen umsetzbar werden kann.
Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Fachleute aus Tourismusorganisationen, Unternehmen, Wissenschaft, Verbänden und öffentlicher Verwaltung. Sie ist daher kein öffentliches Stadtfest und keine neue Besucherattraktion. Ihre Bedeutung liegt vielmehr darin, dass zentrale Zukunftsthemen des Reisens an einem Ort zusammengeführt werden: Mobilität, Klimarisiken, Nachhaltigkeitskommunikation, Hotellerie und die Entwicklung von Regionen.
Verlässliche Informationen für Reisende
Ein Schwerpunkt des Programms ist die Kommunikation über Nachhaltigkeit. Die Teilnehmenden befassen sich mit den neuen europäischen Vorgaben der EmpCo-Richtlinie. Sie soll Umweltversprechen gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern klarer und verbindlicher machen.
Für Reisende ist das ein praktisches Thema. Nachhaltigkeitsangaben gehören inzwischen zum Marketing vieler Hotels, Reiseveranstalter und Destinationen. Oft bleibt jedoch offen, welche konkrete Maßnahme hinter einem allgemeinen Hinweis auf Umweltfreundlichkeit steht. Verständlichere Regeln können dazu beitragen, dass Gäste Angebote besser vergleichen und Unternehmen ihre Aussagen stärker mit überprüfbaren Maßnahmen verbinden.
Auf dem Frankfurter Treffen werden unter anderem Vertreter der Nachhaltigkeitsberatung FAIRWEG und Fachleute aus dem Deutschlandtourismus erwartet. Es geht dabei nicht um ein einheitliches Modell für alle Regionen. Ein Stadthotel, ein Naturpark, ein Freizeitpark und eine ländliche Ferienregion haben unterschiedliche Voraussetzungen und benötigen entsprechend unterschiedliche Lösungen.
Nachhaltige Mobilität und neue Anreize
Ein weiterer Programmpunkt widmet sich der nachhaltigen Mobilität. Tourismusexpertinnen und -experten aus Nordrhein-Westfalen stellen Erkenntnisse und Empfehlungen vor. Für Deutschland ist das besonders relevant, weil viele Reisen aus einer Kombination von Bahn, Bus, Straßenbahn, Fahrrad, Fußwegen und gegebenenfalls Mietwagen bestehen.
Außerdem wird über DestinationPay gesprochen. Das Konzept soll nachhaltiges Verhalten von Besucherinnen und Besuchern belohnen. Vertreter der Berliner Tourismusorganisation und der Bremer Wirtschaftsförderung berichten über erste Erfahrungen mit dem Ansatz.
Solche Modelle können verschiedene Ziele miteinander verbinden. Sie könnten Gäste dazu anregen, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, länger zu bleiben, weniger stark nachgefragte Zeiten zu wählen oder lokale Angebote wahrzunehmen. Gleichzeitig erhalten Destinationen die Möglichkeit, ihre touristische Vermarktung enger mit Klima- und Mobilitätszielen zu verknüpfen.
Ob ein solches System funktioniert, hängt allerdings von der konkreten Ausgestaltung ab. Reisende brauchen praktikable Alternativen, und die Vorteile müssen nachvollziehbar sein. Der Austausch in Frankfurt ist deshalb vor allem als Arbeitsgespräch über mögliche Lösungen zu verstehen, nicht als Ankündigung eines bereits flächendeckend eingeführten Angebots.
Tourismus auf Klimarisiken vorbereiten
Das Programm befasst sich auch mit Risikoanalysen und integriertem Resilienzmanagement für Kommunen und Unternehmen. Dabei geht es darum, wie Regionen ihre Anfälligkeit für klimabedingte Belastungen einschätzen und sich frühzeitig vorbereiten können.
Tourismus hängt von vielen miteinander verbundenen Bereichen ab: Verkehr, Übernachtung, öffentliche Räume, Wasserwirtschaft, Kulturangebote und Naturerlebnisse. Wenn ein Teil dieser Infrastruktur beeinträchtigt ist, kann dies Auswirkungen auf die gesamte Besucherwirtschaft haben. Klimaanpassung bedeutet daher nicht nur Krisenreaktion, sondern auch vorausschauende Planung, Investitionen und eine klare Zusammenarbeit zwischen Behörden und Betrieben.
Zu diesem Themenfeld ist ein Beitrag von Risklayer vorgesehen. Außerdem stellt der Kreis Lippe seinen Ansatz vor, Nachhaltigkeit als Bestandteil der Destinationsentwicklung zu betrachten. Ein weiterer Vortrag widmet sich der Zukunft der Hotellerie und der Frage, wie Beherbergungsbetriebe stärker als Teil eines umfassenden Service-Ökosystems verstanden werden können.
Vom Einzelprojekt zur regionalen Strategie
Die DZT beschreibt den Sustainable Tourism Day als Plattform für Austausch und Vernetzung. Auf der Tagesordnung stehen Beispiele aus Freizeitparks, Regionen und Kommunen sowie Informationen zum Bundeswettbewerb „Nachhaltige Tourismusdestinationen“.
Die Kombination aus Regulierung, Praxisbeispielen und regionaler Entwicklung verleiht der Veranstaltung einen anwendungsorientierten Charakter. Nicht nur langfristige Klimaziele werden angesprochen, sondern auch Fragen, die im Reisealltag spürbar werden können: Wie werden Angebote erklärt? Wie kommen Gäste vor Ort von A nach B? Wie können Hotels ihre Leistungen weiterentwickeln? Und wie können Regionen auf veränderte klimatische Bedingungen reagieren?
Tourismus NRW und weitere Branchenorganisationen führen den Frankfurter Termin in ihren Veranstaltungskalendern. Das bestätigt seine Rolle als Fachveranstaltung des deutschen Tourismus und nicht als isoliertes Einzelereignis.
Für Urlauberinnen und Urlauber entsteht am 23. September nicht unmittelbar eine neue Sehenswürdigkeit oder Reiseroute. Die Wirkung solcher Treffen ist eher mittel- und langfristig. Die dort diskutierten Ansätze können beeinflussen, welche Informationen Reisende erhalten, welche Mobilitätsangebote ihnen zur Verfügung stehen und wie Destinationen mit Wachstum und Klimabelastungen umgehen.
Frankfurt wird damit für einen Tag zum Arbeitsort für die nächste Phase des Reisens in Deutschland: weniger abstrakte Versprechen, mehr nachvollziehbare Maßnahmen und eine engere Verbindung zwischen touristischem Erfolg, regionaler Lebensqualität und verantwortungsbewusster Entwicklung.





















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