Eine dreitägige Umweltkonferenz in Berlin geht am Donnerstag, dem 5. November, mit einer Exkursion zu Ende. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie der Ausbau erneuerbarer Energien mit einem stärkeren Schutz von Ökosystemen und Arten verbunden werden kann.
Die Wingspan 2026 bringt Naturschutzorganisationen, Wissenschaftler, Netzbetreiber, Entwickler erneuerbarer Energien und Vertreter öffentlicher Stellen zusammen. Die Konferenz steht unter dem Leitgedanken „From Partnerships to Practice: Accelerating Nature-Positive Energy Infrastructure“. Sie begann am 3. November im Atelier Gardens in Berlin und verbindet Fachdebatten mit Beispielen für Maßnahmen, die die ökologischen Auswirkungen von Energieprojekten verringern sollen.
Energieausbau und Naturschutz gemeinsam denken
Ausgangspunkt der Veranstaltung ist die Überzeugung, dass der Ausbau erneuerbarer Energien und der Schutz der biologischen Vielfalt nicht als vollständig getrennte politische Aufgaben behandelt werden sollten. Stromnetze und Windenergieanlagen benötigen Flächen, Bauarbeiten und langfristige Wartung. Gleichzeitig können Vögel, Fledermäuse und andere Arten durch Standortwahl und Betrieb von Infrastruktur beeinflusst werden.
Die Veranstalter stellen diese Herausforderung nicht als einfache Entscheidung zwischen Klimaschutz und Naturschutz dar. Stattdessen soll die Konferenz praktische Lösungen sichtbar machen, die beiden Zielen dienen können. Auf dem Programm stehen Podiumsgespräche, wissenschaftliche Vorträge, Postersitzungen, Vernetzung und eine Ausstellung mit Ansätzen zur Konfliktminderung und naturverträglichen Gestaltung.
Organisiert wird die Veranstaltung von der Renewables Grid Initiative und TB Raab GmbH. Die Europäische Exekutivagentur für Klima, Infrastruktur und Umwelt hebt für die Ausgabe 2026 insbesondere den Schutz von Ökosystemen und Arten entlang von Stromtrassen sowie im Bereich der Onshore-Windenergie hervor.
Von der Forschung zu konkreten Entscheidungen
Ein wichtiger Akzent der Konferenz liegt auf der Umsetzung. Umweltziele werden häufig in Strategien und Planungsdokumenten festgehalten. Ihre Wirkung hängt jedoch davon ab, welche Entscheidungen bei der Trassenwahl, beim Bau, im Betrieb und bei der Wartung getroffen werden.
Deshalb ist der Austausch zwischen verschiedenen Fachgruppen entscheidend. Naturschutzexperten können empfindliche Lebensräume und Arten identifizieren. Wissenschaftler können die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen bewerten. Netzbetreiber und Projektentwickler kennen technische und organisatorische Grenzen. Behörden wiederum können einzelne Vorhaben mit übergeordneten Planungsanforderungen verbinden.
In die Konferenz eingebunden sind außerdem Arbeiten aus den LIFE-geförderten Projekten LIFE SAFELINES4BIRDS, LIFE EUROKITE und LIFE EUROBUSTARD. Ihre Beteiligung verweist auf eine praktische Kernfrage: Wie lassen sich Risiken für Vögel und andere Wildtiere verringern, während Stromnetze und erneuerbare Erzeugung weiter ausgebaut werden?
Exkursion zum Abschluss
Der letzte Konferenztag am 5. November ist einer Exkursion im Berliner Umland gewidmet. Nach Angaben der Veranstalter sollen dort Beispiele für Naturschutz in der Praxis vorgestellt werden. Das Format ermöglicht es den Teilnehmern, ökologische Anforderungen in realen Landschaften zu betrachten und nicht nur anhand von Vorträgen zu diskutieren.
Solche Vor-Ort-Erfahrungen sind für die Infrastrukturplanung besonders hilfreich, weil die Wirkung einer Maßnahme stark von den örtlichen Bedingungen abhängt. Landschaftsstruktur, saisonale Bewegungen von Tieren, bestehende Nutzungen und Pflegekonzepte können darüber entscheiden, ob ein Schutzansatz tatsächlich funktioniert.
Bedeutung über Berlin hinaus
Deutschland baut seine erneuerbaren Energien weiter aus und modernisiert zugleich sein Stromnetz. Dieser Wandel schafft einen langfristigen Bedarf an Planungsverfahren, die technisch zuverlässig sind und zugleich Landschaften und Lebensräume berücksichtigen.
Die Wingspan-Konferenz kündigt keine einzelne neue Bundespolitik und kein konkretes Infrastrukturprojekt an. Ihre Bedeutung liegt vielmehr darin, mehrere Berufs- und Interessengruppen in einem gemeinsamen fachlichen Rahmen zusammenzubringen und Ansätze hervorzuheben, die erprobt, bewertet und weiterentwickelt werden können.
Für Kommunen, Regionen und Netzbetreiber kann eine solche Zusammenarbeit dazu beitragen, Naturschutz nicht erst am Ende eines Projekts als Einschränkung zu behandeln, sondern bereits bei dessen Konzeption einzubeziehen. Für Naturschutzorganisationen entsteht zugleich ein direkter Raum, um zu erläutern, wie ökologische Erkenntnisse in Infrastrukturentscheidungen einfließen können.
Die konstruktive Botschaft der Berliner Veranstaltung ist damit klar: Die Energiewende braucht nicht nur zusätzliche Erzeugungskapazitäten. Sie braucht auch eine bessere Abstimmung zwischen Klimazielen, Biodiversität und den Menschen, die die verbindenden Systeme planen, bauen und betreiben.






















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