In Augsburg ist am 29. Oktober die 25. Ausgabe des Medienkunstfestivals lab.30 gestartet. Bis zum 1. November präsentiert die Veranstaltung im Kulturhaus abraxas, in der benachbarten Kirche St. Thaddäus und im temporären Kulturort MAX59 Ausstellungen, Konzerte, Performances, Workshops und Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern.
Das Festival kommt damit zu einem Zeitpunkt, an dem Augsburg zugleich neue Räume für Kultur und Beteiligung erprobt. Die Stadt hatte das diesjährige lab.30 bereits am 8. Oktober angekündigt. Eine weitere Mitteilung vom 28. Oktober stellte MAX59 als vorübergehenden Ort für Begegnung, Bildung, Kreativität und gemeinsames Gestalten vor. Das Festival bildet den Auftakt dieser kulturellen Zwischennutzung.
„Becoming“ als Leitmotiv
Im Mittelpunkt der Jubiläumsausgabe steht das Leitmotiv „Becoming“. Das englische Wort beschreibt einen Prozess des Werdens und der Veränderung. Lab.30 fragt damit, wie sich Menschen und Gesellschaften entwickeln, wer diese Prozesse beeinflusst und welche Rolle technische Systeme dabei spielen.
Die Veranstaltung versteht Medienkunst nicht als rein technische Präsentation. Viele Arbeiten sind programmierte, digital erzeugte, motorisierte oder robotergestützte Installationen, die Besucherinnen und Besucher ausprobieren und beeinflussen können. Ergänzt werden sie durch Klang, Licht, Bewegung und Gespräche. So entsteht ein Format, das neue Technologien sinnlich erfahrbar macht und zugleich Raum für gemeinsame Reflexion lässt.
Nach Angaben der Stadt Augsburg nehmen mehr als 30 internationale Künstlerinnen und Künstler teil. Im Hauptprogramm finden sich unter anderem Let there be light, eine Klang- und Lichtinstallation mit mehreren Radios und wechselnden Audiospuren, sowie see this sound (go away). Diese Arbeit macht Schall mithilfe digitaler Verfahren sichtbar und übersetzt ihn in einen räumlichen Eindruck.
Zwischen Algorithmen und Improvisation
Weitere Werke beschäftigen sich mit Empfehlungssystemen, künstlicher Intelligenz, Kommunikation und dem Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. Die Installation reality, by algorithm überträgt die Logik algorithmischer Filter in eine räumliche und visuelle Erfahrung. Andere Arbeiten fragen, wie digitale Systeme Entscheidungen, Aufmerksamkeit und Ausdrucksformen beeinflussen.
Demgegenüber stehen bewusst einfache und spielerische Angebote. Auf der neuen „Wiese der Medienkunst“ hinter dem Kulturhaus abraxas können Kinder und Jugendliche mit Licht, Elektronik und selbstgebauten Maschinen experimentieren. In Kooperation mit dem KidsLab Augsburg und weiteren Partnern werden unter anderem Roboter aus Schrottmaterialien gebaut.
Das Programm setzt dabei nicht auf technische Perfektion. Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen ausprobieren, improvisieren und auch Fehler machen dürfen. Ein weiteres Angebot widmet sich einem sprechenden Blumentopf, der erkennen kann, wann eine Pflanze Wasser benötigt. In einem Elektronik-Workshop entstehen kleine Musikinstrumente, die anschließend ausprobiert werden können.
MAX59 als neuer Kulturort
Mit MAX59 erhält das Festival eine zusätzliche gesellschaftliche Dimension. Das Gebäude in der Maximilianstraße 59 soll nach Angaben der Stadt von November 2026 bis voraussichtlich Mai 2027 vorübergehend genutzt werden, bevor Bauarbeiten beginnen. Im Erdgeschoss sind kulturelle Veranstaltungen, Bildungsangebote, kreative Werkstätten und offene Begegnungsformate vorgesehen.
Während des lab.30 stehen dort unter anderem die Ausstellung MARS!, Mitmach-Angebote, Workshops und Beteiligungsformate auf dem Programm. Auch ein Streetfood-Markt ist angekündigt. Der Ort verbindet damit die Präsentation von Medienkunst mit einer niedrigschwelligen Nutzung durch die Stadtgesellschaft.
Diese Verbindung passt zum Selbstverständnis des Festivals. Lab.30 möchte nicht nur fertige Arbeiten zeigen, sondern Austausch zwischen Künstlerinnen, Künstlern und Publikum ermöglichen. Die Frage nach dem digitalen Wandel wird so nicht ausschließlich in einem Ausstellungsraum gestellt, sondern in einem vorübergehenden öffentlichen Treffpunkt weitergeführt.
Preise für Jury, Publikum und Jugend
Am Samstag, 31. Oktober, werden im abraxas Theater mehrere Auszeichnungen vergeben. Eine Fachjury vergibt den mit 1.000 Euro dotierten lab award. Eine Kinderjury entscheidet über den kids’ choice award, während das Publikum bis zum Samstagnachmittag für seinen Favoriten abstimmen kann.
Erstmals wird außerdem ein U19 award verliehen. Eine Jugendjury zeichnet damit eine Arbeit junger Medienkünstlerinnen und Medienkünstler aus. Neben der fachlichen Perspektive erhalten damit Kinder, Jugendliche und das Festivalpublikum ein eigenes Gewicht bei der Bewertung der ausgestellten Arbeiten.
Augsburgs lab.30 zeigt damit, wie Kultur aktuelle technologische Entwicklungen konstruktiv behandeln kann. Das Festival versucht nicht, eine fertige Antwort auf die Zukunft zu geben. Es schafft vielmehr Situationen, in denen Menschen gemeinsam sehen, hören, bauen, testen und diskutieren können. Aus künstlicher Intelligenz, Robotik und digitalen Räumen werden so konkrete Gegenstände eines kulturellen Austauschs.






















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