Ein Festival, drei Städte: Skandinavische Bühnen erproben ein neues Tourmodell
Another Festival erprobt ein verteiltes Modell grenzüberschreitender Kulturzusammenarbeit zwischen Aarhus, Göteborg und Stavanger.
Gesellschaft & KulturSkandinavien

Ein Festival, drei Städte: Skandinavische Bühnen erproben ein neues Tourmodell

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Ein gemeinsames Festival auf mehreren Bühnen

Ein neues Musikformat verbindet an diesem Wochenende drei Städte und drei Länder Skandinaviens. Another Festival findet vom 8. bis 11. Oktober 2026 in Aarhus, Göteborg und Stavanger statt. Beteiligt sind VoxHall in der dänischen Stadt, Pustervik in Göteborg sowie Folken in Stavanger.

Das Konzept unterscheidet sich von einem klassischen Festival mit einem zentralen Gelände. Die Veranstaltung wandert durch die Region: Aarhus eröffnet das Programm am 8. und 9. Oktober, Göteborg übernimmt am 9. und 10. Oktober, Stavanger bildet am 10. und 11. Oktober den Abschluss. Die bestehenden Clubs und Konzerthäuser bleiben damit der wichtigste Teil der Infrastruktur.

Die Veranstalter knüpfen an die erste Ausgabe von 2025 an. Ziel ist es, Künstlern mehrere Auftritte innerhalb einer regionalen Tour zu ermöglichen und zugleich dem Publikum Acts zu bringen, die sonst möglicherweise nicht in der jeweiligen Stadt auftreten würden. Das Festival versteht sich damit nicht nur als Konzertreihe, sondern auch als praktisches Kooperationsmodell für den unabhängigen Musikbetrieb.

Veranstaltungsorte als dauerhafte Kulturorte

Die drei Spielstätten stehen für unterschiedliche lokale Szenen. VoxHall gehört zu den bekannten Bühnen für neue und alternative Musik in Aarhus. Pustervik liegt zentral in Göteborg und verbindet Konzert-, Club- und Kulturprogramm. Folken ist in einem historischen Folkets-Hus-Gebäude in Stavanger untergebracht und verfügt über mehrere Bühnen.

Diese Auswahl macht den Ansatz des Festivals besonders greifbar. Anstatt für wenige Tage eine neue Veranstaltungsstadt aufzubauen, nutzt Another Festival Räume, die bereits Teil des städtischen Kulturlebens sind. Besucherinnen und Besucher kommen in bestehende Viertel und Häuser, die auch außerhalb des Festivalwochenendes Programme anbieten.

Das Modell spricht unterschiedliche Publikumsgruppen an. Wer eine kurze Kulturreise unternehmen möchte, kann dem Festival von Stadt zu Stadt folgen. Gleichzeitig können Einwohnerinnen und Einwohner einfach den lokalen Teil des Programms besuchen. Der Veranstalter beschreibt den Grundgedanken entsprechend als Festival, das zum Publikum kommt und nicht alle Besucher an einen einzigen Ort ziehen muss.

Eine gemeinsame Plattform mit regionalen Akzenten

Das Programm verbindet internationale und nordische Künstler. In Stavanger stehen unter anderem die britische Band Shame, die schwedische Formation Fauna, die irische Gruppe Bricknasty und die norwegische Band Daufødt auf dem Programm. Die Zusammenstellung zeigt, wie das Festival unterschiedliche Musikmärkte und Szenen in einem gemeinsamen Ablauf zusammenführt.

Die drei Städte behalten dabei ihren eigenen Charakter. Das Publikum in Aarhus erlebt das Festival in einem dänischen Clubkontext, Göteborg bringt seine eigene unabhängige Konzertkultur ein, und Stavanger setzt den Schlusspunkt in einem traditionsreichen Kulturhaus. Die gemeinsame Dachmarke vereinheitlicht diese Orte nicht, sondern macht ihre Unterschiede innerhalb eines größeren regionalen Zusammenhangs sichtbar.

Für die beteiligten Häuser entsteht zugleich ein Raum für Austausch. Gemeinsame Planung kann Erfahrungen bei Booking, Kommunikation und Tourlogistik weitergeben. Für Künstlerinnen und Künstler bedeutet ein abgestimmtes Programm, dass mehrere Auftritte in räumlicher Nähe organisiert werden können, statt für jede Stadt eine vollständig getrennte Tour aufzubauen.

Ein kleines Experiment mit größerer Perspektive

Die Initiative passt zu einer breiteren Suche nach nachhaltigen und wirtschaftlich tragfähigen Formen des Kulturbetriebs. Veranstaltungsorte müssen attraktive Programme anbieten, gleichzeitig aber Reise-, Produktions- und Personalkosten im Blick behalten. Eine Zusammenarbeit über Grenzen hinweg kann helfen, diese Aufgaben besser zu verteilen.

Another Festival setzt dabei nicht auf die Dimension eines großen Sommerereignisses. Der Schwerpunkt liegt auf einer überschaubaren Partnerschaft zwischen drei etablierten Bühnen. Gerade darin liegt der praktische Wert des Projekts. Wenn das Modell funktioniert, könnte es auch auf andere Städte oder Sparten übertragen werden – etwa auf Jazz, elektronische Musik, Theater, Literatur oder bildende Kunst.

Die Veranstaltung zeigt außerdem, dass kulturelle Zusammenarbeit in Skandinavien nicht erst mit großen politischen Vereinbarungen beginnt. Sie kann mit gemeinsam gebuchten Künstlern, abgestimmten Terminen und gegenseitiger Unterstützung zwischen lokalen Häusern entstehen. Für das Publikum wird diese Kooperation unmittelbar erlebbar: Ein Konzertprogramm erhält eine regionale Route, ohne dass die einzelnen Städte ihre kulturelle Eigenständigkeit aufgeben.

Mit den letzten Veranstaltungen in Folken am 10. und 11. Oktober endet die diesjährige Ausgabe in Stavanger. Ob daraus ein dauerhaftes Tourmodell entsteht, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Schon jetzt bietet Another Festival jedoch ein anschauliches Beispiel dafür, wie unabhängige Kulturorte ihre Kräfte bündeln können, um Künstlern neue Möglichkeiten und dem Publikum mehr Zugang zu zeitgenössischer Musik zu eröffnen.

Quellen

Lena Klingbach
Lena Klingbach ist die versierte Redakteurin der Kolumne Kultur & Bildung, mit einem scharfen Auge für die Künste und einer Leidenschaft für die Kraft des Lernens. Ihr Hintergrund in Kunstgeschichte und Literatur ermöglicht es ihr, Geschichten zu kuratieren, die den Reichtum des kulturellen Erbes und des intellektuellen Lebens der baltischen Region feiern. Lena ist überzeugt, dass Kultur und Bildung die Eckpfeiler einer starken Gesellschaft sind, und widmet sich leidenschaftlich der Aufgabe, diese lebenswichtigen Geschichten den Lesern der Baltischen Rundschau näherzubringen.

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