Tallinner Meeresmuseum bestellt neues Forschungsschiff für die Unterwasserarchäologie
Das Estnische Meeresmuseum bestellt einen speziellen Katamaran für die unterwasserarchäologische Forschung.
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Tallinner Meeresmuseum bestellt neues Forschungsschiff für die Unterwasserarchäologie

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Eine neue Arbeitsplattform für Estlands maritimes Erbe

Das Estnische Meeresmuseum in Tallinn erhält ein neues Forschungsschiff für die Unterwasserarchäologie. Am Dienstag, dem 3. November 2026, unterzeichnete das Museum einen Vertrag mit der lettischen Werft Invessel über den Bau eines Aluminiumkatamarans. Dies berichten ERR und ein öffentlich zugänglicher Überblick über die technischen Anforderungen des Beschaffungsvorhabens.

Das Schiff soll voraussichtlich rund eine Million Euro kosten und 2028 fertiggestellt werden. Nach Angaben des Museumsvorstandsmitglieds Urmas Dresen wird das Projekt aus dem eigenen Budget des Museums finanziert. Eine gesonderte Förderfinanzierung sei nicht vorgesehen. Für die Institution ist es zudem das erste Schiff, das ausdrücklich für die eigenen Forschungsaufgaben bestellt wurde.

Der Auftrag fällt in ein symbolträchtiges Jahr: 2028 jährt sich der Beginn der unterwasserarchäologischen Arbeit des Museums zum 50. Mal. Im selben Jahr soll das neue Schiff in Dienst gehen und die Feldforschung des Museums auf eine neue technische Grundlage stellen.

Für Einsätze unter realen Bedingungen geplant

Die Ausschreibungsunterlagen sehen ein Schiff von bis zu 11,9 Metern Länge und bis zu 5,2 Metern Breite vor. Seine Hauptaufgabe ist die unterwasserarchäologische Forschung in den estnischen Meeresgebieten. Die vorgesehene Mindestlebensdauer beträgt 20 Jahre.

Der Katamaran soll mindestens zwölf Personen aufnehmen und eine Nutzlast von mindestens 2.700 Kilogramm tragen können. Berücksichtigt werden außerdem die Bedingungen in den estnischen Küstengewässern: eine signifikante Wellenhöhe von bis zu zwei Metern, Wind bis zur Stärke sechs nach Beaufort und eine eingeschränkte Fahrt in bis zu drei Zentimetern festem Eis.

Für die praktische Arbeit ist ein breites Arbeitsdeck am Heck vorgesehen. Hinzu kommt ein Kran, der bei Tauch- und Bergungsarbeiten eingesetzt werden kann. Das Schiff soll außerdem über ein Steuerhaus, eine kleine Küche, Kabinen, Sanitäranlagen, Maschinenräume sowie Stauraum im Bug und im Heck verfügen. Damit entsteht eine Plattform, die nicht nur kurze Ausfahrten, sondern auch anspruchsvollere Forschungseinsätze unterstützen kann.

Ein Nachfolger für das Museumsschiff Mare

Das bisherige Forschungsschiff des Museums, die Mare, liegt seit 2018 als Ausstellungsobjekt am Seeflughafen-Hafen Lennusadam. Das Schiff hatte zuvor viele Jahre für das Museum gearbeitet. Mit seinem Wechsel in die Sammlung entstand eine Lücke zwischen der musealen Präsentation an Land und der laufenden Forschung auf See.

Der neue Katamaran soll diese Lücke schließen. Er wird nicht in erster Linie als historisches Objekt bewahrt, sondern als modernes Arbeitsmittel gebaut. Seine Abmessungen, die Tragfähigkeit und die Deckgestaltung werden auf die Bedürfnisse der Unterwasserarchäologie abgestimmt und nicht nachträglich an eine ursprünglich andere Nutzung angepasst.

Bei der Arbeit auf dem Meer müssen mehrere Aufgaben zusammengeführt werden: Fundstellen lokalisieren, ihre Lage dokumentieren, Tauchgänge unterstützen, Objekte sicher aufnehmen und wissenschaftliches Material an Land bringen. Ein eigenes Forschungsschiff kann diese Abläufe besser planbar machen und den Einsatz von Personal und Ausrüstung erleichtern.

Baltische Zusammenarbeit im Schiffbau

Gebaut wird das Schiff in Lettland. Der Auftrag verbindet damit estnische Kultur- und Forschungspraxis mit der Schiffbaukompetenz eines baltischen Nachbarlandes. Die technischen Einzelheiten können während der Vertragsumsetzung noch präzisiert werden; der grundlegende Zweck steht jedoch fest: Das Schiff soll robust, vielseitig und für die Bedingungen der estnischen Küste geeignet sein.

Nach der Fertigstellung möchte das Museum einen öffentlichen Wettbewerb für den Namen des Schiffes veranstalten. Dadurch kann auch die Öffentlichkeit an der Einführung eines Fahrzeugs beteiligt werden, das künftig einen sichtbaren Beitrag zur Erforschung der estnischen Meeresgeschichte leisten soll.

Mehr als ein Museumsprojekt

Der Auftrag zeigt, wie eng Kultur, Forschung und praktische Infrastruktur miteinander verbunden sein können. Die Arbeit des Museums kann dabei helfen, Schiffswracks, historische Hafenanlagen, versunkene Gegenstände und andere Spuren des maritimen Lebens zu dokumentieren. Die Ergebnisse können anschließend in Ausstellungen, Sammlungen, Publikationen und Bildungsangeboten weiterverwendet werden.

Auch die langfristige Perspektive ist wichtig. Mit einer geplanten Nutzungsdauer von mindestens 20 Jahren ist der Katamaran nicht nur für ein einzelnes Forschungsprojekt gedacht. Er soll mehreren Generationen von Fachleuten dienen und die kontinuierliche Arbeit des Museums auf See ermöglichen.

Wenn das Schiff 2028 fertiggestellt wird, erhält das Estnische Meeresmuseum ein zeitgemäßes Werkzeug zur Erforschung der Unterwasserlandschaft des Landes. Der Auftrag verbindet maritime Denkmalpflege, Forschung, Logistik und öffentliche Vermittlung – und passt damit unmittelbar zu Tallinns Geschichte als Hafenstadt.

Quellen

Lena Klingbach
Lena Klingbach ist die versierte Redakteurin der Kolumne Kultur & Bildung, mit einem scharfen Auge für die Künste und einer Leidenschaft für die Kraft des Lernens. Ihr Hintergrund in Kunstgeschichte und Literatur ermöglicht es ihr, Geschichten zu kuratieren, die den Reichtum des kulturellen Erbes und des intellektuellen Lebens der baltischen Region feiern. Lena ist überzeugt, dass Kultur und Bildung die Eckpfeiler einer starken Gesellschaft sind, und widmet sich leidenschaftlich der Aufgabe, diese lebenswichtigen Geschichten den Lesern der Baltischen Rundschau näherzubringen.

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