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Estland Europas IT Spitzenreiter

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Estland ist immer eine Reise wert. Gerade in den Sommermonaten Juni, Juli und August ist es ein gern besuchtes Urlaubsland. Aber Estland ist mehr als nur Sonne und Strand, mehr als Wiesen, Wälder und schöne Städte.
Estland ist das führende IT Land in Europa. In keinem anderen Land Europas ist die Digitalisierung der Gesellschaft soweit fortgeschritten wie in Estland, weshalb es in diesem Bereich als Vorzeigestaat gilt. Moderne Informations-und Kommunikationstechnologien genießen eine hohe Akzeptanz. Inzwischen ist „e-Estonia“ ein Begriff innerhalb der Hightech Industrie. Das kleinste der drei baltischen Länder ist bislang der einzige Staat in der Welt, der seinen Bürgern ein verfassungsmäßiges Recht auf einen kostenlosen Internetzugang garantiert. Das ganze Land ist vernetz. Das Thema Vernetzung wird unter anderem auch ein Thema auf der IFA 2019 sein, der weltweit führenden Messe für Consumer Electronics und Haushaltsgeräte, die vom 6. bis 11. September in Berlin stattfindet und auf der seit Jahren ebenfalls die drei baltischen Staaten vertreten sind.
Estland ist stolz auf seine innovativen Projekte wie die flächendeckende Anwendung von E-Government. Unter E-Government versteht man, vereinfacht ausgedrückt, eine moderne öffentliche Verwaltung, die es ermöglicht, Behördengänge online zu erledigen. Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen können so zeitlich unabhängig und meistens unkompliziert Leistungen des Staates oder der Kommune beantragen. Der Verwaltungsvorgang wird somit in der Regel schneller und kostengünstiger. Allein für Eheschließungen, Scheidungen und den Erwerb von Immobilien ist ein Gang zum Amt oder ins Rathaus nötig.
Die tragende Säule der estnischen e-Dienstleistungen ist die sogenannte X-Road. Ein von und zunächst für die Regierung von Estland in Zusammenarbeit mit estnischen Forschern, Programmierern und Firmen des Landes entwickeltes System aus Konzepten, Rechtsnormen, Verfahrensvorschriften, technischen Standards und Regeln sowie der entsprechenden Software. Es besteht aus einer Vielzahl dezentraler Datenbanken und den jeweils zugeordneten Sicherheitsservern. Das System ermöglicht so nicht nur einen sicheren Austausch von Daten über das Internet, sondern auch die Daten selbst werden durch das System in hohem Maße gegen unbefugte Manipulation und Löschung geschützt. X-Road ist inzwischen ein Exportschlager der estnischen IT-Industrie. Es gibt viele Exportschlager von estnischen IT Startups. Da ist der autonom fahrende Lieferroboter von Starship Technologies. Mit diesem Lieferroboter können unter anderem online bestellte Lebensmittel transportiert werde. Bis Februar 2019 wurden 30.000 Lieferroboter ausgeliefert. Etliche auch nach Deutschland. Die größte Anzahl davon, 314 Stück, ging nach Düsseldorf. Starship Technologies wurde 2014 von den Skype-Mitbegründern Ahti Heinla und Janus Friis ins Leben gerufen und ist heute in mehreren Städten auf der ganzen Welt tätig.
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben am 11. Juni 2019 die Pilotversion der neuen App Jelbi online gestellt. Mit ihr werden die verschiedenen Mobilitätsangebote in der Hauptstadt auf einer Plattform zusammengefasst. Entwickelt wurde die App in der Zusammenarbeit mit dem estnischen Startup Veriff aus Tallin. Dieses Unternehmen wurde 2015 gegründet und ist inzwischen weltweit aufgestellt.
Das nördlichste baltische Land, mit seinen gerade einmal 1,3 Millionen Einwohnern, ist auch ein Vorreiter in Sachen digitalisiertes Schulsystem. Bereits 1997 wurde das Programm „Tiigrihüppe“ auf deutsch „Tigersprung“ gestartet. Alle Schulen wurden an das Internet angeschlossen und die Informationstechnologien als Mittel zur schulischen Bildung eingesetzt. Wobei die Lehrer die Entscheidungsfreiheit haben, ob sie zu analogen oder digitalen Mitteln greifen. Inzwischen wurde das Ganze weiterentwickelt. Das Unternehmen
eKool AS hat ein Schulmanagement-Tool entwickelt, das Schüler und ihre Familien sowie Schulen und Aufsichtsbehörden zusammenbringt. eKool unterstützt ein besseres Lernen für die Schüler. Eltern erhalten Einsicht in die Lernentwicklung ihrer Kinder und die Behörden haben einen guten Überblick über die Vorgänge in den von ihnen verwalteten Schulen.

Estland wird auch in den nächsten Jahren noch das digitale Vorzeigeland bleiben. Allein 2018 besuchten offizielle Entscheidungsträger aus 94 Ländern der Welt den kleinen Staat an der EU Außengrenze, um sich zu informieren wie man ein Land digital zukunftsfähig machen kann.

Thomas Marschner
Freier Journalist aus Berlin

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