Kosten für den Tunnel Helsinki – Tallinn wohl bei 20 Milliarden Euro

Die Idee für einen knapp 100 Kilometer langen Eisenbahntunnel quer durch den felsigen Untergrund der Ostsee, von Kritikern lange als „Pipe Dream“ bezeichnet, erhält plötzlich neuen Auftrieb. Zwei verschiedene Projekte sind nun auf der Suche nach Investoren.

Ein Tunnel zwischen Finnlands Hauptstadt Helsinki und Estlands Metropole Tallinn würde bis zu 20 Milliarden Euro kosten und die Reisezeit zwischen den beiden Städten auf etwa 30 Minuten reduzieren. Ein Ticket wäre für 18 Euro zu haben. Dies sind die Ergebnisse einer von der EU unterstützten Studie zur Machbarkeit einer unterseeischen Verbindung der beiden Hauptstädte.

Das Projekt, mit mehr als 80 Kilometern vermutlich der längste Tunnel der Welt, würde den Gotthard-Tunnel in den Schweizer Alpen (57 Kilometer Länge) deutlich ablösen.

Er bietet voraussichtlich über 40 Passagierzügen, 11 Autozügen, 17 LKW- und 3 Güterzügen Platz. Die Pläne zum „FinEst Link“ betitelten Großprojekt wurden in einem Seminar unter der Leitung des estnischen Ministerpräsidenten Jüri Rutas, den Verkehrsministern beider Länder sowie den Bürgermeistern der Städte präsentiert.

FinEst Link-Direkto Kari Ruohonen ergänzte in einer Mitteilung des Unternehmens, dass der Tunnel der Integration beider Städte weiteren Auftrieb geben würde; außerdem erhielte Finnland dadurch einen direkten Zugang zum europäischen Schienennetz. Zurzeit sind Helsinki und Tallinn bereits durch eine Reihe von Fähren miteinander verbunden.

Baubeginn möglicherweise 2025

Der Tunnel, der an seiner tiefsten Stelle etwa 215 Meter unter dem Meeresspiegel liegen könnte, würde zwischen 13,8 und 20 Milliarden Euro kosten. Der Beginn der Arbeiten könnte 2025 erfolgen, ein Jahr vor der geplanten Eröffnung der Hochgeschwindigkeitsverbindung, die Warschau, Riga, Vilnius und Tallinn miteinander verbinden soll. Mit seiner Inbetriebnahme wird 2040 gerechnet.

Weiter führt der Bericht aus, dass durch den Tunnel die Menge an Passagieren pro Jahr zwischen den beiden Städten auf unfassbare 23 Millionen Menschen anwachsen könnte. Diese Zahl liegt mehr als 10 Mal so hoch wie bisher und stolze 23 Mal höher als die Gesamtbevölkerung von „Talsinki“, die bei etwa 1 Million liegt (Helsinki 620.000; Tallinn ca. 400.000)

Das bisherige Netz in Finnland und Estland, dass die „russische“ Spurbreite von 1,524 mm nutzt, müsste auf den europäischen Standard von 1,435 mm umgestellt werden. Damit sind auch für den Güterverkehr noch große Probleme zu lösen.

FinEst vermarktet sich selbst als öffentliches Projekt, dass sowohl durch europäische, als auch nationale, lokale und regionale Regierungen finanziert wird.

Die Konkurrenz um Peter Vesterbacka, dem einst der finnische Spiele-Gigant Rovio gehörte, hofft dagegen auf private Geldgeber und chinesische Investoren.

Alternativ könnte der Tunnel schon 2024 fertig sein

Vesterbacka möchte am liebsten schon mit dem Bau beginnen, während die Verantwortlichen noch „versuchen zwischen Traum und Realität zu unterscheiden.“

“Wir haben den Prozess der Planung und der Risikobewertung für die Umwelt bereits beendet. Warum warten? Der Tunnel wird 2024 fertig sein.”, so Vesterbacka in einem Interview für das finnische Hufvudstadsbladet.

Die Züge werden mit einer maximalen Geschwindigkeit von 300 km/h fahren, während das konkurrierende Projekt mit 200 km/h plant.

“Warum sollten wir langsamer fahren als die Chinesen?“, so seine rhetorische Frage.

Vesterbacka schätzt, dass das Projekt ca. 15 Milliarden Euro kosten könnte. In dreißig bis vierzig Jahren hätte sich die Investition spätestens ausgezahlt.