Norwegischer Chiphersteller Nordic Semiconductor wächst im zweiten Quartal deutlich
Stromsparende Funktechnik entwickelt sich zu einer Plattform aus Chips, Software und Cloud-Diensten.
SkandinavienWirtschaft und Innovation

Norwegischer Chiphersteller Nordic Semiconductor wächst im zweiten Quartal deutlich

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Mehr Umsatz mit Chips, Software und vernetzten Geräten

Der norwegische Technologiekonzern Nordic Semiconductor hat am 6. August ein solides zweites Quartal vorgelegt. Der Umsatz stieg auf 218,6 Millionen US-Dollar und lag damit 33,2 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Die Bruttomarge erreichte 53,1 Prozent, das EBITDA betrug 33,7 Millionen US-Dollar.

Nordic Semiconductor mit Sitz in Oslo entwickelt Halbleiter für stromsparende drahtlose Verbindungen. Die Bausteine kommen unter anderem in Wearables, Sensoren, Ortungsgeräten, Industrieanlagen und Anwendungen im Gesundheitsbereich zum Einsatz. Das Unternehmen verbindet seine Chips zunehmend mit Software und Cloud-Diensten.

Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Nordic einen Umsatz von 411 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 28,8 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Der operative Gewinn stieg auf 32,4 Millionen US-Dollar, der Nettogewinn auf 27,1 Millionen US-Dollar.

Industrie und Gesundheitswirtschaft als Wachstumstreiber

Besonders dynamisch entwickelte sich das Geschäft mit industriellen Kunden und dem Gesundheitssektor. In diesem Bereich stieg der Quartalsumsatz um 45,5 Prozent auf 86,1 Millionen US-Dollar. Das Verbrauchergeschäft wuchs um 24,9 Prozent auf 125,2 Millionen US-Dollar.

Für industrielle und medizinische Geräte sind lange Produktlebenszyklen, niedriger Energieverbrauch und zuverlässige Datenübertragung entscheidend. Nordic erklärte, die Entwicklung im Quartal sei sowohl von bestehenden Großkunden als auch von einer breiteren Kundengruppe getragen worden.

Das wichtigste Geschäftsfeld des Konzerns bleibt die Nahbereichskommunikation. Dazu gehören Bluetooth Low Energy, Thread, Zigbee, Matter und weitere Funkstandards. Dieser Bereich erzielte 199,8 Millionen US-Dollar Umsatz, 29,5 Prozent mehr als im zweiten Quartal 2025.

Das Geschäft mit weitreichender Kommunikation wuchs prozentual noch stärker, allerdings von einer kleineren Ausgangsbasis. Der Umsatz mit Mobilfunkprodukten und Cloud-Diensten stieg um 93,8 Prozent auf 14,6 Millionen US-Dollar.

Vom Funkchip zur integrierten Plattform

Die aktuellen Zahlen spiegeln einen Wandel in der Elektronikbranche wider. Hersteller benötigen nicht mehr nur einen einzelnen Chip, sondern zunehmend auch Werkzeuge für Entwicklung, Aktualisierung, Überwachung und Wartung ihrer vernetzten Produkte.

Nordic erweiterte im zweiten Quartal seine Plattform nRF Cloud um Funktionen zur Fernüberwachung von Batteriezustand und Ladeverhalten. Hinzu kam eine Prüfung auf Firmware-Schwachstellen. Damit sollen Kunden ihre Geräteflotten besser überwachen und Anforderungen aus neuen Regulierungsvorgaben wie dem europäischen Cyber Resilience Act vorbereiten können.

Für die Hersteller kann ein solcher Ansatz die Verwaltung vernetzter Produkte über deren gesamte Lebensdauer vereinfachen. Das betrifft beispielsweise Sensoren in Gebäuden, medizinische Geräte, industrielle Überwachungssysteme und batteriebetriebene Ortungslösungen.

Neue Werkzeuge für Edge AI und Prototypen

Nordic berichtete außerdem über die breitere Einführung KI-gestützter Entwicklungswerkzeuge. Sie sollen Entwickler nicht nur beim Programmieren unterstützen, sondern entlang des gesamten Produktzyklus – vom ersten Prototypen über die Fertigung bis zur Analyse bereits eingesetzter Geräte.

Das Unternehmen verbindet damit das Ziel, Entwicklungszeiten zu verkürzen, weniger Testschleifen zu benötigen und Fehler schneller zu diagnostizieren. Eine solche Unterstützung ist besonders für kleinere Entwicklerteams interessant, die mit begrenzten Ressourcen neue vernetzte Produkte auf den Markt bringen wollen.

Im Quartal stellte Nordic zudem die Entwicklungsplattform nRF54L15 Tag vor. Sie ist für Anwendungen wie Asset-Tracking, Smart-Home-Produkte, Bluetooth Channel Sounding, Matter und Edge-AI-Experimente ausgelegt. Die Plattform gehört zur nRF54-Familie, die Nordic als wichtigen langfristigen Wachstumstreiber betrachtet.

Bei Edge AI werden Daten direkt im Gerät oder in seiner unmittelbaren Umgebung verarbeitet. Dadurch können Geräte schneller reagieren und müssen weniger Informationen an entfernte Rechenzentren übertragen. Für batteriebetriebene Sensoren und Wearables kann dies den Energieverbrauch und die Abhängigkeit von dauerhaften Verbindungen verringern.

Mehr Beschäftigte und höhere Forschungsausgaben

Zum Ende des Quartals beschäftigte Nordic Semiconductor 1.465 Menschen. Das waren 10,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ein Teil des Zuwachses stammt aus organischem Wachstum, hinzu kamen Beschäftigte aus Übernahmen des Jahres 2025.

Auch die Forschungsausgaben stiegen. Nordic investierte im zweiten Quartal 49,8 Millionen US-Dollar in Forschung und Entwicklung, nach 36,9 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Die Mittel fließen in neue Funkplattformen, Cloud-Dienste und Entwicklungswerkzeuge.

Der Halbleitermarkt bleibt zugleich von normalen Schwankungen geprägt. Nordic verwies darauf, dass das Industriegeschäft von einzelnen Großkunden beeinflusst werden kann. Auch Wechselkurse wirken sich auf die Kosten aus. Die Entwicklung neuer Produkte erfordert zudem weiterhin erhebliche Investitionen.

Insgesamt zeichnet der Bericht vom 6. August jedoch ein konstruktives Bild. Umsatz und Ergebnis legten zu, die Nachfrage kam aus mehreren Kundengruppen, und das Unternehmen baut sein Angebot von der Hardware bis zu cloudbasierten Diensten aus. Für Norwegens Technologiebranche zeigt das Beispiel, wie ein spezialisierter Anbieter internationale Reichweite mit Halbleiterkompetenz, Software und Entwicklerunterstützung verbinden kann.

Quellen

Emilija Šimonytė
Als Redakteurin der Kolumne Wirtschaft & Business bringt Emilija Šimonytė einen scharfen Verstand und ein tiefes Verständnis für Markttrends in The Baltic Review ein. Ihr Hintergrund in der Finanzanalyse ermöglicht es ihr, komplexe Wirtschaftsdaten in zugängliche und aussagekräftige Geschichten zu übersetzen. Sie ist bestrebt, unseren Lesern die Informationen zu liefern, die sie benötigen, um fundierte Entscheidungen zu treffen und in einer schnelllebigen Welt die Nase vorn zu haben.

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