Polen führt Programm der Kulturhauptstädte bis zur Ausgabe 2030 weiter
Das Programm der Polnischen Kulturhauptstädte wird über die ersten drei Städte hinaus fortgesetzt.
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Polen führt Programm der Kulturhauptstädte bis zur Ausgabe 2030 weiter

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Ein Kulturprogramm erhält eine längerfristige Perspektive

Polen will sein Programm der Polnischen Kulturhauptstädte über den bisherigen Zyklus 2026 bis 2028 hinaus weiterführen. Das Kulturministerium kündigte am 28. Oktober an, einen Wettbewerb um den Titel Polnische Kulturhauptstadt 2030 vorzubereiten. Die erste Phase soll im ersten Halbjahr 2027 beginnen.

Damit erhält eine Initiative, deren erste Ausgabe noch läuft, eine längerfristige Perspektive. Bielsko-Biała trägt den Titel im Jahr 2026, 2027 folgen Katowice und die Oberschlesisch-Dombrowa-Metropole, 2028 ist Kołobrzeg an der Reihe. Das Programm soll Städten eine landesweite kulturelle Plattform geben und künstlerische Aktivitäten mit lokaler Entwicklung und gesellschaftlichem Leben verbinden.

Mehr als ein Veranstaltungsjahr

Entstanden ist die Initiative im Anschluss an Polens Wettbewerb um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt 2029. Lublin gewann diesen Wettbewerb. Bielsko-Biała, Katowice und Kołobrzeg gehörten ebenfalls zu den Finalisten. Das nationale Programm sollte die in diesen Städten geleistete Vorarbeit aufgreifen und ihnen ermöglichen, Teile ihrer Kulturkonzepte umzusetzen.

Das Nationale Kulturzentrum, das die Initiative betreut, beschreibt die Polnischen Kulturhauptstädte als Programm zur Förderung der kulturellen Entwicklung und Sichtbarkeit polnischer Städte. Der derzeitige Rahmen verbindet Kunstprojekte mit Fragen lokaler Identität, gesellschaftlicher Integration, Lebensqualität und der Rolle von Kultur in regionalen Entwicklungsstrategien.

Damit handelt es sich nicht nur um eine Abfolge einzelner Festivals. Jede Gastgeberstadt entwickelt ein eigenes Konzept und arbeitet mit ihren Kulturinstitutionen, öffentlichen Räumen, Künstlerinnen und Künstlern sowie lokalen Initiativen. Es entsteht eine Reihe unterschiedlicher Stadtprogramme statt eines einheitlichen, zentral vorgegebenen Modells.

Unterschiedliche Städte, unterschiedliche Schwerpunkte

Bielsko-Biała stellt 2026 Wohlbefinden, soziale Beziehungen und die Qualität des Alltags in den Mittelpunkt. Das Kulturkonzept der Stadt verbindet Kreativität mit Natur und Gemeinschaft und greift damit die Lage zwischen urbanem Raum und den Beskiden auf.

Katowice und die umliegende Metropolregion sollen 2027 unter dem Motto „Play!“ folgen. Nach Angaben des Ministeriums soll das Konzept eine möglichst breite Beteiligung am Kulturleben fördern. Das ist für eine Metropolregion mit zahlreichen Gemeinden und Stadtteilen von besonderer Bedeutung, da diese über eigene Geschichten und Identitäten verfügen.

Kołobrzeg ist für 2028 vorgesehen und plant das Programm unter dem Titel „I Sea You“. Kultur soll dort mit Ostseeküste, lokaler Gemeinschaft, Natur und ökologischen Herausforderungen verbunden werden. Die drei bisherigen Konzepte setzen somit unterschiedliche Themen ins Zentrum: soziale Lebensqualität, Teilhabe sowie das Verhältnis von Kultur und Umwelt.

Was der Wettbewerb für 2030 auslösen kann

Die vollständigen Regeln des Wettbewerbs für 2030 liegen noch nicht vor. Das Ministerium will die Grundzüge am 2. Dezember in Katowice den Kommunen vorstellen und anschließend Konsultationen beginnen.

Die nächste Phase gibt Städten die Möglichkeit, Kulturstrategien gemeinsam mit Einwohnern, Institutionen und der lokalen Kreativszene zu entwickeln. Eine Bewerbung um einen nationalen Kulturhauptstadttitel verlangt häufig eine Bestandsaufnahme: Welche Organisationen gibt es? Welche Räume werden wenig genutzt? Wie kann Kultur Menschen erreichen, die etablierte Bühnen und Museen selten besuchen?

Für kleine und mittlere Städte kann ein solcher Prozess über die reine Tourismuswerbung hinausweisen. Bibliotheken, Museen, Theater, Schulen, Kulturhäuser und unabhängige Gruppen können Teil einer breiteren Diskussion über Zugehörigkeit und öffentliches Leben werden.

Ein nationaler Titel mit lokalem Schwerpunkt

Die Fortsetzung des Programms verändert nicht Lublins Rolle als Europäische Kulturhauptstadt 2029. Der polnische Titel schafft vielmehr einen ergänzenden nationalen Rahmen für Städte, deren kulturelles Potenzial nicht unbedingt in den Zeitplan oder die Größenordnung des europäischen Wettbewerbs passt.

Die Entscheidung des Ministeriums bedeutet, dass die Reihe nicht mit Kołobrzeg endet. Weitere polnische Städte erhalten die Chance, lokal verankerte Kulturprogramme zu präsentieren, neue Partnerschaften aufzubauen und Formen einer zugänglicheren öffentlichen Kultur zu erproben.

Für die Bevölkerung wird der Wert der Initiative letztlich weniger am Titel selbst als an den langfristigen Ergebnissen abzulesen sein: stärkere Institutionen, neue Kooperationen, eine bessere Nutzung öffentlicher Räume und ein größeres Gefühl, dass Kultur zum gesamten Stadtleben gehört. Mit den für Dezember geplanten Gesprächen beginnt nun die konkrete Vorbereitung auf den Wettbewerb 2030.

Quellen

Lena Klingbach
Lena Klingbach ist die versierte Redakteurin der Kolumne Kultur & Bildung, mit einem scharfen Auge für die Künste und einer Leidenschaft für die Kraft des Lernens. Ihr Hintergrund in Kunstgeschichte und Literatur ermöglicht es ihr, Geschichten zu kuratieren, die den Reichtum des kulturellen Erbes und des intellektuellen Lebens der baltischen Region feiern. Lena ist überzeugt, dass Kultur und Bildung die Eckpfeiler einer starken Gesellschaft sind, und widmet sich leidenschaftlich der Aufgabe, diese lebenswichtigen Geschichten den Lesern der Baltischen Rundschau näherzubringen.

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